Test / Testbericht : Asus Eee PC 1215B

Wie heißt es so schön? Der König ist tot; es lebe der König. Diesen Spruch könnte man auch auf den Bereich der Netbooks anbringen. Die Tendenz der Verkäufe zeigt nach unten. Den Tablets gehört die Zukunft. Doch durch eine bessere Ausstattung und durch den technischen Fortschritt versuchen viele Hersteller dem entgegenzuwirken. Und das ist auch gut so. Denn wenn ich mir die Tablets auf diesem Markt so ansehe, ist hier nur einer Platzhirsch. Das I-Pad von Apple. Da finden wir das Preis-Leistungsverhältnis eines Netbooks doch deutlich Interessanter. Vor allem bei der Leistung, die in unserem nächsten Test-Kandidaten  steckt. Dem ASUS Eee PC 1215B mit dem Beinamen Seashell.

Bestückt ist das Netbook mit AMD´s Brazos Platform, die einen Dual-Core CPU mit der HD6310 Grafik kombiniert. Ein Angriff auf sämtliche Intel Atom Prozessoren mit Intel GMA- und ION-Grafik. Das besondere bei der ganzen Sache ist, dass AMD, GPU und CPU im Wesentlichen vereint. Heraus kommt ein neuer Begriff: Accelerated Processing Unit(APU).

Diese APU soll dafür sorgen, dass Grafik und HD auch unterwegs Spaß machen können. HDMI 1.4a und somit 3D-Wiedergabe sind als Beispiel regelmäßig an Bord und spiegeln auch ohne großes technisches Wissen die Leistungsfähigkeit dieser neu erschaffenen APU´s wieder.

Auf dem Papier sieht das erstmals wie folgt aus:

Technische Details/Lieferumfang

Prozessor:AMD E-350 Dual-Core 1,6 GHz
Arbeitsspeicher:4 GB DDR3 RAM 2×2 GB Samsung 1333Mhz
Festplatte:Seagate 500 GB 5400 rpm
Grafikprozessor:AMD Mobility Radeon HD 6310
Netzwerk:10/100 LAN, 802.11b/g/n WLAN
Display:12,1″ TFT, Max 1366 x 768, spiegelnd
LED Technik
Besonderheiten:5in1 Kartenlesegerät (MMC, SD, xD, Memory Stick/pro)
0,3Mpixel Webcam, MultiTouch Trackpad, Bluetooth 3.0 + HS

 

In unserem Testmodell kommt der „größte“ Prozessor im Netbook-Markt zum Einsatz – der AMD E-350. Mit seinen zwei CPU-Kernen, die maximal mit 1,6GHz takten, ist er perfekt für den mobilen Einsatz. Der Codename des Kleinen lautet Zacate und reiht sich nahtlos in die APU´s Serie der Brazos Kerne ein. Vereint mit einer mobilen HD6310 soll er auch im mobilen Spielebereich gehörig einheitzen. Der kleine, im 40nm gefertigte, Prozessor kommt, trotz seiner potenten Eigenschaften, auf lediglich 18 Watt TDP und bleibt somit angenehm „kühl“ und sorgt für einen langen Akkubetrieb. Doch unter der Haube steckt nicht nur der kleine Prozessor und der etwas größere Grafikchip, sondern zusätzlich der Speichercontroller der den Arbeitsspeicher im Single-Channel anspricht. Einen näheren Blick sollte man zusätzlich noch auf die Out-of-Order Technik werfen. Waren die ersten mobilen Prozessoren (Atom) noch sture In-Order Rechner, weisen nun die neueren Modelle die neue Technik auf. Vor allem im Multitasking-Bereich wird die Eigenschaft schnell zum Vorteil, da „einfachere“ Befehle bevorzugt behandelt werden können.

Bei der Grafikeinheit blieb sich AMD treu und setzt im mobilen Segment die neue HD6000er Reihe ein. Somit hällt nun auch DirectX 11 Einzug in die kleinen mobilen Geräte. Den Nutzen daran kann man jedoch aufgrund von zu geringer Leistung kaum erkennen, denn der eingesetzte HD6310 Chip reiht sich noch unter der HD6450 aus dem Desktop Segment ein. Die Grafikeinheit wurde so weit beschnitten, dass nur noch zwei SIMD (Single Instruction-Multiple Data) Einheiten übrig blieben. Da es pro SIMD-Einheit lediglich zwei Shadercluster mit je vier Shadereinheiten gibt, bringt es der Chip auf dezente 80 ALU´s. Auch die TMU´s (Textureinheiten) erinnern an alte X800-Zeiten und schaffen es lediglich auf acht Stück. Mit einer maximalen Taktung von 492MHz ist der kleine Chip auf dem Papier auch kein Rechenwunder. Auf einen internen VRAM wird hier verzichtet, da sich die Grafikeinheit am Arbeitsspeicher bedient.

Bevor wir den kleinen Taiwanesen, der unter den kleinen ja eigentlich mit seinen 12 Zoll ein großer ist, auf Herz und Nieren Testen, betrachten wir erst mal sein äußeres Erscheinungsbild.

Auf dem matten samtschwarzen Netbook-Deckel prangert ein verchromtes und bekanntes  ASUS-Logo in der typischen Schriftart.  Die Unterseite weißt ein paar Lüftungsschlitze und eine bei Bedarf abnehmbare Abdeckung für die Erweiterung  von Ram-Modulen auf. Der Akku dient  als Fuß und schrägt das Netbook damit minimal an. Dadurch entsteht auch eine leicht verbesserte Luftzirkulation wenn das Gerät auf einem geraden Untergrund steht. Auf der Vorderseite gibt es fünf kleine Lämpchen die einen über den Betrieb, den Akkuladezustand, den Festplattenzugriff, W-LAN und die Aktivität der Feststelltaste informieren.

Auf der rechten Seite befinden sich Kopfhöreranschluss, Mikrofoneingang, eine USB 2.0 sowie eine USB 3.0 Buchse, ein Netzwerkanschluss  und die standardisierte Kensington-Schloss Vorrichtung.

Die gegenüberliegende Seite beherbergt einen 5in1 Speicherkartenslot für MMC, SD, xD,  Memory Stick/pro und einen weiteren USB 2.0 Anschluss, einen HDMI und VGA Ausgang sowie den notwendigen Stromanschluss.  Großen Platz auf dieser Seite nimmt die Lüftung für die APU in Anspruch. Auch liegen aus diesem Grund HDMI und USB nah beieinander, wodurch es eventuell zu Problemen beim Anschluss von USB-Peripherie kommen kann, wenn gerade der HDMI Platz belegt ist.

Aufklappen lässt sich unser Testmodel nur mühevoll mit einer Hand. Der Deckel  besitzt  genau das richtige Maß an Halt. Nicht zu leicht und nicht zu schwer. Aufgeklappt bestätigt sich der Eindruck, den man von außen schon erwartet hat: saubere Verarbeitung, aufgeräumtes Tastenfeld; im Grunde genommen ein zeitloses Design. Die Tastatur mit einzelner Tastenanbindung ist von schwarzem Klavierlack umgeben. Gleiches trifft auch für den 12,1 Zoll Bildschirm zu. Fingerabdrücke sind da zwar keine Seltenheit, jedoch wirkt das Design durch diese Lackierung  deutlich hochwertiger. Die Webcam sitzt an gewohnter Stell. Dass man diese verschließen und öffnen kann ist jedoch ein Nennenswertes Merkmal, das nicht jedes Netbook aufweist. Zusätzlicher Schutz für die Privatsphäre. Als Betriebssystem setzt Asus auf die gute Windows 7 Home Premium Version in der 64 Bit Version. Somit ist es auch möglich den gesamten Arbeitsspeicher auszunutzen. Auch im EeePC 1215B setzt Asus die Express-Gate Funktion ein. Hierbei handelt es sich um eine vorinstallierte Linuxversion, um den Laptop binnen Sekunden Einsatzbereit zu haben. Nützlich ist dies vor allem zum Surfen, jedoch umständlich zum Arbeiten. Zusätzlich läuft das System nicht ganz so ruckelfrei wie das installierte Betriebssystem.

Tastatur/Display

Die Tasten sind, bedingt durch die Größe des Gerätes, zwar etwas kleiner als bei einer Standard-Notebook-Tastatur, lassen sich aber dennoch sehr gut tippen. Druckpunkt und Tastenanschlag sind hier bestens abgestimmt. Nahezu lautloses Schreiben ist auch möglich, da die Tasten kaum einen Ton von sich geben. Lediglich die Space-Taste gibt gelegentlich ein klappriges Geräusch von sich, welches jedoch nicht weiter störend wirkt. Das Tastaturfeld gibt beim normalen Tippen in der Mitte leicht nach, so dass der Druckpunkt noch besser hätte ausfallen können. Auch die beiden Shift-Tasten weichen vom typischen Layout ab und sind etwas kleiner als gewohnt. Hier bedarf es einiger Zeit um sich daran zu gewöhnen.

Insgesamt hinterlässt die das Keyboard einen guten Eindruck, leider wird die Stimmung bei dem Touchpad getrübt. Irgendwie scheint es, als wären unsere Finger damit inkompatibel. Einmal funktioniert alles bestens, dann wieder nicht. Wir schieben das jetzt mal auf die warmen Tage und nicht ganz trockene Finger. Vor dem Kauf solltet ihr daher kurz testen, ob die Tastaturgröße für euch ausreichend und das Touchpad mit euren Fingern kompatibel ist. Auch könnten die beiden Maustasten unter dem Touchpad dezent leiser sein. Als störend kann man das jedoch nicht bezeichnen.  Der Gesamteindruck ist weiterhin äußerst positiv.

Das Display ist sehr leuchtstark. Dieser Vorteil wurde bereits bei anderen 1215 Serien festgestellt und bestätigt sich noch einmal mit unserem Testgerät. Bei voller Beleuchtung ist es problemlos möglich sich im freien ein Schattiges Plätzchen zu suchen und dort zu arbeiten. Da kann man darüber hinweg sehen, dass bei unserem Modell kein mattes Display zum Einsatz kam. Der Kontrast und die prächtigen Farben bieten ebenfalls eine bessere Alternative zum matten Display.

Mobilität/Lautstärke

Laut dem Aufdruck auf unserem Testmuster verspricht ASUS eine Akkulaufzeit von bis zu 8 Stunden. Wer unsere Tests verfolgt, dem wird klar sein, dass dieser Wert meistens nicht der Realität entspricht.

Der Praxistest zeigt immerhin ordentliche Werte die mit dem 5200mAh-Akku erzielt werden. Bei voller Displaybeleuchtung und eingeschaltetem W-LAN kann man im Schnitt 3,5 bis 4 Stunden online sein. Die 8-Stunden-Marke kratzten wir nur ohne W-LAN und im Energiesparmodus mit geringster Displaybeleuchtung an. Einen DVD-Spielfilm hält er locker durch. Und eine kleine Gamingsession über 2 Stunden ist auch drin.

Auch wenn die Akkuwerte bei weitem nicht an ein Atom-Modell heranreichen, sind sie dennoch sehr gut. In dem Fall der neuen Zacate-Prozesooren muss man die Leistung pro Watt bedenken. Im normalen Idle-Modus mit aktivem W-LAN Signal genehmigte sich der Asus 1215B lediglich 15,5 Watt und lief somit sehr sparsam. Auch mit voller Prozessorauslastung brachte er es auf sehr geringe 22 Watt. Im Grafikauslastungtest waren es mit 24 Watt lediglich 2 mehr. Erst im Ladestatus trank der Kleine etwas mehr und entzog unserer Steckdose Stolze 35 Watt. Belastete man zusätzlich die Hardware, stieg der Wert auf XX Watt an. Das Geheimrezept heißt als, kostenlos in der Uni oder auf dem Arbeitsplatz laden.

Mit Akku wiegt unser Bolide 1,5 kg und ist somit relativ schwer. Das geht aber angesichts der Displaygröße in Ordnung. Zudem passt er mit seinen Abmessungen in vielerlei Handtaschen des weiblichen Geschlechts 😉

Überrascht waren wir bei der Lautstärke. Beim Anschalten musste man wirklich schauen, ob er denn auch wirklich hochfährt. Erst als das Display aufleuchtete, war uns klar, dass wir alles richtig gemacht hatten und unser Muster schlicht und einfach extrem leise war. Da man den Lüfter nicht besonders wahrnimmt, achtet man natürlich auf sämtliche andere Geräusche. Negativ fiel uns da die Festplatte auf, welche gerade nach dem Start des Betriebssystems für Festplattenverhältnisse relativ laut war. Am deutlichsten waren die Nebengeräusche der Festplatte, beim installieren von Spielen oder Programmen. Selbst bei Updatevorgängen konnte man pausenlos ein unangenehmes Kratzen hören.

Selbst beim Abspielen einer Video-Datei war die Festplatte lauter als der Lüfter, der permanent aktiv war. Störende Lüftergeräusche oder Unregelmäßigkeiten – Fehlanzeige. Das Lüftungssystem hat ASUS gut in den Griff bekommen. Auch die Handballenablage bleibt schön kühl im Vergleich zu anderen Netbooks.

Temperaturen/ Benchmark

Die Temperaturen waren für ein Netbook sehr gut. Im Stresstest mit dem Furmark erreichte der Grafische Part der APU lediglich 67°C und blieb somit in einem normalen Netbook-typischen Bereich. Die CPU schaffte es auf lediglich 65°C und konnte uns ebenfalls überzeugen. Die Temperaturen waren jedoch mit der Hand kaum spürbar. Die Handablage blieb durchgehend angenehm kühl und auch aus dem Gehäuse wurde keinerlei heiße Luft heraustransportiert. Erstaunlich war hierbei erneut der kleine Lüfter. Flüsterleise verrichtete er seinen Dienst und wurde zu keinem Testzeitpunkt nervig oder störend.

Im 3D Mark 06 Test erreichte die CPU- und GPU-Kombination 2161 Punkte und schlägt damit deutlich den hauseigenen Konkurrenten Asus Eee PC 1215T, den wir bereits im April testeten. Hier liegen E-350 und die HD6310 klar vor dem Athlon ll Neo K125 und der HD4250. (Test vom Asus Eee PC 1215T findet ihr hier: http://www.hardbloxx.de/2011/04/20/test-asus-eeepc-1215t/) Auch der Atom von Intel hat hier ohne ION-Grafik das Nachsehen. Im Vergleich zum D525-Atom mit Nvidia-ION Grafik (Asus 1215N) verliert unser Testgerät jedoch mit knapp 450 Punkten. Ein spaßiges Erlebnis war der 3D Mark 11. Mit durchschnittlich 0,9 – 1,2 Frames im Performance-Modus erlebten wir die schönste Diashow, die wir je gesehen haben. Den Professional Modus konnten wir aufgrund der geringen Leistung nicht zum Abschluss bringen.

World of Warcraft:

Natürlich soll ein Netbook nicht ausschließlich zum Arbeiten dienen. Unterwegs möchte man auch gerne einmal bei seinem Lieblingsspiel entspannen und die Arbeit links liegen lassen. Aufgrund der geringen Leistung ist es jedoch nicht möglich, auch anspruchsvolle Titel wiederzugeben. Unseren Versuch mit Battlefield Bad Company 2, mussten wir nach kurzer Zeit und ca. 3-5 Frames abbrechen. Hier half es nicht einmal die Einstellungen auf das minimalste herunterzudrehen. World of Warcraft konnte der Kleine jedoch mühelos wiedergeben. Anfangs wagten wir uns an mittlere Einstellungen in heran und wurden sofort mit der Wahrheit konfrontiert: 18-20 Frames in Sturmwind konnte kein Spielvergnügen wecken. Im Wald von Elwynn wurde es zusätzlich kritischer und wir ruckelten unseren Hexenmeister mit durchschnittliche 14-17 Frames durch die Bäume. Tatsächlich ruckelfrei wurde das Vergnügen erst mit den niegrigsten Einstellungen, der maximalen Auflösung und 2fache Anisotropische Filterung. 27-30 Frames reichten für ein fließendes und ruckelfreies Bild und der Spaß kam endlich wieder auf. Auch in Sturmwind brachte es der Kleine auf satte 30-32 Frames und bewies Stehvermögen. Lediglich vor dem Auktionshaus brachen die Frameraten massiv ein, jedoch muss man bedenken, dass sogar starke Desktopkarten hierbei Probleme haben. Und wer denkt, dass WoW durch die stark beschnittenen Qualitätseigenschaften grausam aussehen muss, irrt. Für den Spaß unterwegs reicht die Grafikpracht allemal und verursacht keinesfalls brennende Augen.

Der Windows-Leistungsindex zeigt uns eine Durchschnittsnote von 3,8. Hier haben wir teilweise von einigen Notebooks schon einen schlechteren Wert gesehen. Wobei der Leistungsindex immer mit einer gewissen Art von Skepsis zu betrachten ist, da er nicht immer die genaue Leistung eines Gerätes wiederspiegelt. In unserem Test nehmen wir diesen Wert als Ergänzung, da sich im Handel ja selten die Möglichkeit ergibt, sämtliche CPU und GPU Benchmarks auszutesten.

persönliches Fazit

Für ein Netbook ist die Leistung, die man bei unserem Asus EeePC 1215B bekommt, wirklich beeindruckend. Asus liefert ein gelungenes System mit einer guten Tastatur, einem großartigem Kühlsystem und einem zeitlosen Design. Letztendlich passt bis auf das Touchpad alles zusammen. Als kleinen Wermutstropfen könnte man das spiegelnde Display bezeichnen. Unser persönliches Fazit für das Display ist allerdings sehr positiv, da die hohe Luminanz dem Spiegeln entgegenwirkt. Wenn man jetzt noch die Festplatte durch eine SSD ersetzten würde, wäre dieses Gerät praktisch nicht zu hören. Jedoch würde das dem Preis-Leistungs-Verhältnis schaden. Für eine UVP von 449€ bekommt man in diesem Preissegment nämlich eins der schnellsten Netbooks auf dem Markt.
Bei Amazon wird das Gerät bereits von verschiedenen Händlern ab 400€ gelistet. Und um auf unsere Einführung zurückzukommen, es lebe das Netbook!

Euer Hardbloxx Team

Test erstellt von Hardbloxx.Insanity





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