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Test / Testbericht: Noctua NH-D14



Ein laues Lüftchen oder ein tosender Sturm, heutige Prozessorkühler haben verschiedene Möglichkeiten, einen modernen Prozessor zu kühlen. Aber dennoch haben viele eines gemeinsam: sie wachsen. Seitdem Prozessoren schneller werden und mehr Wärme produzieren, werden auch die Kühler größer, schwerer und leistungsstärker. Vor allem Übertakter freuen sich über diese Entwicklung, da in ihren Systemen noch RAM und Mainboard gekühlt werden müssen. In unserem Test befindet sich heute ein wahres Monster – der Noctua NH-D14, ausgestattet mit einem 120mm- und einem 140mm Lüfter der gehobenen Klasse. Noctua machte sich von Anfang an einen Namen im Kühlersegment und konnte bereits mit seinen Vorgängern punkten. Doch was schafft der neue Riese? Wie kann er unseren Prozessor im Zaum halten und wie einfach ist der Einbau eines solch schweren Ungetüms? Und ganz wichtig: Bleibt er dabei leise? Ein Noctua NF-P14 und ein Noctua NF-P12 klären diese Fragen im Test. Doch eins ist schon einmal sicher, der Noctua NH-D14 ist für etwas großes bestimmt!

Testsystem/Testmethodik:

Prozessor: Intel Core i5-2500K @4,0GHz
RAM: Kingston HyperX DDR3 1600 P&P
Mainboard: GIGABYTE GA-Z68X-UD3-B3

Der Durchlauf mit dem Noctua NH-D14 war der erste Test mit unserem neuen System. Den Core i5-2500K übertakteten wir auf 4,0GHz, um dem Prozessor ordentlich einzuheizen. Als Wärmeleitpaste kam die mitgelieferte Noctua NT-H1 zum Einsatz. Die Ergebnisse ermittelten wir mit der Auslastung durch Prime95. Wir ließen den Prozessor so lange unter Vollast, bis die Temperaturen stagnierten und sich nicht mehr nach oben veränderten. Dies führten wir mit 12 Volt, 7 Volt und 5 Volt Lüfterspannung durch. Zu guter letzt wurden die Lüfter vom Kühlkörper getrennt und wir ermittelten die Passivwerte des Kühlers. Die Zimmertemperatur lag durchweg bei angenehmen 23°C.

Technische Details/Verarbeitung/Installation:

Datentabelle:

Maße ohne Lüfter: 16,0cm x 14,0cm x 13,0cm (H x B x T)
Maße mit Lüfter: 16,0cm x 14,0cm x 15,8cm (H x B x T)
Lüfter: 120mm + 140mm
Gewicht ohne Lüfter: 900 Gramm
Gewicht mit Lüfter: 1240 Gramm
Luftdurchsatz 110,3m³/h (NF-P14); 92,3m³/h (NF-P12)
Stromanschluss: 2x 3 PIN
Sockel: 775, 1155, 1156, 1366, AM2/+/AM3
Lieferumfang: 120mm Lüfter (NF-P12);140mm Lüfter (NF-P14) Kühlkörper; 4x Lüfterklammern; Befestigungszubehör;
Wärmeleitpaste; Befestigungsanleitung; Adapter

 


Als das riesige Paket bereits bei uns ankam, dachten wir uns, dass es spaßig werden kann. Und das wurde es auch! Die Verpackungstechnik scheint ausgeklügelt und bietet einen perfekten Schutz für den Inhalt. Mit einem breiten Grinsen hoben wir dann den Inhalt aus dem riesigen Paket. Zum Vorschein kam der Kühler, der uns mit seinen vorinstallierten Lüftern bereits das erste mal überraschte, und das Zubehör.

So packt der Hersteller die standardisierten Montagevorrichten in den Karton und zusätzlich noch zwei Adapter und die sehr gute Noctua NT-H1 Wärmeleitpaste. Hierfür gibt es bereits den ersten Pluspunkt, da es sich hierbei um eine sehr hochwertige Paste handelt, die mit ihrer großen Tube auch einige Zeit reichen sollte. Als Lüfter kommen der NF-P12 und der NF-P14 zum Einsatz.

Die beien eingesetzten Lüfter erhielten zahlreiche technische Feinheiten vom Hersteller. Der NF-P12 ist vor allem für den Markt der CPU-Kühler entwickelt worden und kann dies mit einem sehr hohen Luftstrom beweisen. Auch wenn er mit wenig Drehzahl daherkommt, drückt er eine große Menge Luft durch die Kühlerlamellen. Durch die Vortex Control Notches soll zusätzlich die Lautstärke verringert werden. Diese Notches sind die stark sichtbaren Einkerbungen in den Lüfterblättern.

Diese sollen dafür sorgen, dass eine kontinuierliche Vereinigung von Saug- und Druckluft zustande kommt. Dadurch kommt es zu weniger Verwirbelung an den Lüfterblättern und der Geräuschpegel sinkt rapide. Zusätzlich wird dadurch der Wirkungsgrad des Lüfters erhöht und die Streuung der Druckluft reduziert. Außerdem verfolgt Noctua eine besondere Strategie, denn Geräusche sollen nicht eliminiert, sondern auf eine andere Frequenz übertragen werden. Somit ergibt sich ein psychisch-akustischer Effekt, der für das menschliche Ohr kaum wahrnehmbar ist. Diese Eigenschaft haben die beiden verbauten Lüfter.

Dieser Effekt wird noch verstärkt, indem der Hersteller die Einkerbungen in den Lüfterblättern leicht versetzt. Betrachtet man die Lüfterblätter, sieht man, dass jedes darauffolgende Lüfterblatt eine versetzte Anordnung hat. Dies wiederholt der Hersteller alle drei Blätter.

Eine der interessantesten Eigenschaften ist die “Smooth Commutation Drive”, mit der Noctua die Regeln der Physik eindämmen möchte. Da ein Lüftermotor im Durchschnitt über 3 Spulen verfügt und der Strom von Spule zu Spule “springt”, kommt es zu Schaltgeräuschen, da der Lüfter ruckartig von neuem gestartet wird. Dies versucht Noctua mit der SCD-Technik zu umgehen und lässt die Strominduktion sanfter von Spule zu Spule springen. Somit gibt es keine störenden Geräusche. Auch Vibrationen sollen so eingedämmt werden.

Der NF-P14 erhielt von Noctua noch zusätzlich eine Metallverstärkung für den Motor-Hub. Durch den enormen Durchmesser von 140mm kann es durch die erhöhte rotierende Masse zu einer Unwucht kommen, die aus dem Lüfter eine unangenehme Geräuschquelle macht. Ein Lüfter mit Unwucht kann zu einem stetigen Leiern führen und lässt den Stresspegel schnell steigen. Dadurch spendiert Noctua dem Lüfter eine Messingverstärkung.

Der Kühlkörper wurde von den Ingenieuren von Noctua bis ins kleinste Detail durchdacht. Der Kühlerblock kommt im Doppel-Radiator-Design zu Euch nach Hause. Entfernt man die bereits vorinstallierten Lüfter, seht Ihr einen “geteilten” Kühlkörper. Beide Teile werden von sechs Heatpipes durchlaufen und sorgen für die glanzvolle Wärmeübertragung auf die Kühlerfinnen. Gut durchdacht ist vor allem die Installation der Lüfter. Der im vorderen Bereich befindliche NF-P12 sitzt direkt über den RAM-Bänken und kann die warme Luft des Arbeitsspeichers aufnehmen. zusätzlich zieht er Frischluft aus dem vorderen Bereich des Gehäuses und leitet diese durch den ersten Teil des Kühlkörpers nach hinten. Dort wird die Luft vom NF-P14 erfasst und durch den restlichen hinteren Teil des Kühlers gepustet. Gut durchdacht ist die Ausrichtung des 140mm Lüfters, da er fast auf der Grundplatte aufliegt und bereits im unteren Teil die Warme Luft der Heatpipes abtransportiert. Somit wird bereits bei Erwärmung der Platte die Wärme reduziert.

Doch nicht nur für die Abwärme sorgte Noctua, sondern auch für einen geräuscharmen Betrieb. Beide Lüfter befestigte der Hersteller mit zwei stabilen Lüfterklammern am Kühlkörper und entkoppelte zusätzlich die Klammern vom Lüftrahmen. Durch Gumminoppen in den Vorrichtungen für die Schrauben kann keinerlei Vibration auf die Klammer übertragen werden. Doch nicht nur die Klammern wurden entkoppelt, sondern auch der Lüfter selbst. Dies geschieht durch Gummistreifen am Kühlkörper, der die Lüfter von den Kühlfinnen trennen soll, außerdem zusätzlich durch die Gumminoppen, die die Lüfterklammern halten.

Die Verarbeitung ist, wie man es sich für diesen Preis denken kann, sehr gut. Die Grundplatte und die Heatpipes bestehen aus vernickeltem Kupfer und bilden eine Einheit. Schaut man sich den Kühler genauer an, erkennt man keinerlei Lötstellen oder scharfe Kanten an der Unterseite. von der Grundplatte geht bereits ein Teil der Montageeinheit zu den Seiten des Kühlers ab, auf dem sich die beiden Schrauben für die Installation befinden. Beide sind vorinstalliert und lassen sich nicht lösen. Besonders gut für Umbauten, da sie nicht verloren gehen können. Lassen wir den Blick weiter nach oben schweifen, sehen wir, wie die gut verarbeiteten Heatpipes sich in die 42 Aluminiumkühlfinnen integrieren. Auf der letzten Finne gipfeln sie schließlich einen halben Zentimeter über dem Rest des Kühlers. Durch den großzügigen Abstand von rund 2 Millimetern kann die Luft zudem einwandfrei durch die Finnen hindurchgeleitet werden. Einziger Kritikpunkt sind die Lamellen am Kühlerrücken. Durch ihre “zahnähnliche” Verarbeitung sind sie leicht spitz und man sollte beim Einbau auf die Finger und Hände achten.

Doch was ist mit der Installation? Vor allem bei solch einem Monstrum stellt man sich die Installation extrem schwierig vor. Doch nicht beim Noctua NH-D14. So ausgezeichnet die Verarbeitung ist, so einfach lässt sich der Kühler auch montieren. Dies verdankt er allem voran der Passgenauigkeit der einzelnen Teile. Hier hat Noctua bereits bei der Backplatte mitgedacht und konfigurierte sie für jeden Sockel passend. Der Kühler ist schnell verbaut und sitzt bombenfest auf dem Prozessor. Dazu muss lediglich die Backplatte von hinten an das Mainboard gesetzt werden. Danach werden die mitgelieferten 6-Eck Schrauben hindurchgesteckt, Abstandshalter drauf, Retentionmodul verschraubt, Kühler drauf – fertig! eine Installation die für geübte Bastler nicht länger als 8-10 Minuten dauern sollte. Aber auch Anfänger werden ihren Spaß haben. Denn durch die bebilderte Anleitung fällt es sogar einem Laien einfach, den Kühler auf dem Board zu verschrauben. Sollte es trotzdem zu Problemen kommen, findet Ihr demnächst in unserem neuen Videobereich eine Videoanleitung zur Installation. Zum Schluss werden nur noch die beiden Lüfter mit dem 3-Pin Steckplatz auf dem Mainboard verbunden. Sollte Euer Board nicht über ausreichend Anschlussmöglichkeiten verfügen, hat Noctua auch hier etwas für Euch – ein Y-Kabel. Dadurch ist es möglich, beide Lüfter nur mit einem Mainboardanschluss zu betreiben. Jedoch gibt es auch einige Einschränkungen bei der Installation. Durch die Größe des Kühlers kann es auf einigen Mainboards zu Schwierigkeiten mit den umliegenden Kühlern kommen. Beim Biostar TA890FXE muss der Kühlkörper sogar um 180° gedreht werden, um die Installation zu gewährleisten. Bei einigen anderen Mainboards überragt der Kühler sämtliche Speicherbänke. In unserem Test befand sich der vordere Lüfter direkt über den ersten beiden Bänken. Hier sollte man darauf achten, dass der Heatspreader nicht zu hoch ist. Eine Liste aller Kompatibilitäten gibt es hier.

Lautstärke/Leistung:

Die Leistung des Noctua NH-D14 überzeugte in allen Bereichen. Ob im 12 Volt, 7 Volt oder 5 Volt Betrieb, die Kühlleistung war durchgehend auf einem angenehmen Niveau. Überrascht waren wir von den passiven Eigenschaften des Kühlers. Nutzt man den heimischen Rechner lediglich als Office- und Internet-PC können die Lüfter komplett entfernt werden. Die Temperaturen des passiven Modus können im Idle überzeugen. Auch Spiele, die den Prozessor nicht voll ausreizen, können im Passivmodus gespielt werden. Auf Dauer sollte man dies jedoch vermeiden, da wir nach unserem Test auf dem Kühlkörper ein Ei hätten braten können. Aufgrund der hohen Kühleigenschaften im niedrigen Drehzahlbereich ist es zudem nicht notwendig, die Lüfter zu entfernen. Selbst mit voller Umdrehungszahl ist die Lautstärke in Ordnung und man hört ein leichtes Rauschen. Bereits ab 7 Volt werden die Lüfter flüsterleise und behalten ihre hervorragende Leistung. Mit dem 5 Volt Adapter mussten wir den NF-P14 sogar anheben, um zu schauen ob er sich überhaupt bewegt. Man konnte beide Lüfter selbst mit angelegten Ohren nicht hören.

Persönliches Fazit:

Was sollen wir zu dem Noctua NH-D14 sagen? Ja, er ist riesig! Ja, er ist schwer! Ja, er ist der Wahnsinn! Der Riesenkühler von Noctua ist ein wahres Kühlungswunder. Schon nach dem Auspacken sieht man, hier steckt viel Liebe zum Detail dahinter. Der große Kühlkörper wurde sehr gut verarbeitet, die Installation verläuft sehr einfach und schnell – ungewöhnlich für diese Größe. Hinzu kommen die fortschrittlichen Lüfter der eigenen Marke. Der NF-P12 und der NF-P14 verrichten ihre Arbeit sehr gut und schaffen es, jegliche Wärme abzuleiten. Zudem arbeiten sie selbst auf höchster Drehzahl unauffällig leise und können unter 5 Volt sogar als unhörbar durchgehen. Selbst der Passivbetrieb konnte uns überzeugen und reicht für den Officebetrieb aus. Mit dem NH-D14 schnürt Noctua ein Rund-Um-Sorglos-Paket und wird jeden Anwender zufrieden stellen. Von Hardcore-Overclocker, über Silentfreunde bis hin zum Liebhaber eiskalter Komponenten. Lediglich die gehobene UVP von 74,90€ könnte ein Dorn im Auge sein. Betrachtet man jedoch die dafür gebotene Leistung, ist der Preis gerechtfertigt. Aktuell erhält man den Noctua NH-D14 schon ab 65€ im Internet. Für dieses Kühlungswunder überreichen wir unseren LeistungsTIPP-Award und geben die Absolute Kaufempfehlung für alle Bereiche des Computeralltags.

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Euer Hardbloxx Team

Test erstellt von Hardbloxx.Bujaka


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