Rome 2 Packshot

Test/Testbericht: Total War: Rome II



Die Total War – Reihe blickt mittlerweile auf dreizehn Jahre höchst erfolgreiches Taktieren zurück und bringt nun mit Total War: Rome II den achten Teil der Serie auf den Markt. Die englischen Entwickler Creative Assembly zeichnen sich ihrerseits für alle Videospiele der Reihe verantwortlich und verbinden erneut auf Echtzeit basierende Taktikschlachten mit einer rundenbasierten Globalstrategie. Die große Besonderheit der Reihe liegt vor allem in dem komplexen System, das zur Verwaltung von Provinzen und Städten genutzt werden muss, gepaart mit einer großen Portion an benötigter Taktik, die in den einzelnen Schlachten gezeigt werden muss. Der neueste Part greift dabei das gut funktionierende Gameplay des Vorgängers auf und erweitert dieses um ein paar weitere Features. Kriegerische Fähigkeiten sind genauso wichtig, wie auch die Durchsetzung von wirtschaftlichen Interessen, sowie politischer Diplomatie. Ob das jedoch tatsächlich alles so gut funktioniert, wie es die Entwickler versprechen, oder ob es tatsächlich mehr als nur ein paar kleinere Mängel gibt, haben wir für euch in unserem Test herausgefunden.

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Möge die Welt unser Spielfeld sein!

Wenn ihr in Geschichte nicht aufgepasst habt oder bereits wieder all das angesammelte Wissen verdrängen konntet, dann könnt ihr in Total War: Rome II ein paar Geschichtsstunden nachholen. Thematisch behandelt der Titel nämlich die Zeit vom 3. Jahrhundert vor Christus bis hin zum Ende der Römischen Republik, die mit der großen Völkerwanderung unterging – also so zwischen dem zweitem und dem vierten Jahrhundert (seht ihr, schon direkt was gelernt!). Beim Start der Kampagne dürft ihr euch für eine der acht großen Kulturen dieser Zeit entscheiden: Vertreten sind alle wichtigen Völker dieser Zeit, allen voran natürlich Rom, dessen Beschreibung treffender nicht hätte sein können: „Rom wird die Welt regieren. Dies ist sein Schicksal, schon von je her.“ Doch natürlich könnt ihr auch in die Rolle der größten Widersacher des römischen Reiches schlüpfen und so zum Beispiel die berühmt-berüchtigten Kelten übernehmen und mit diesen gallischen Stämmen selbst versuchen, ein Weltreich aufzubauen. Oder ihr übernehmt die Germanen und versucht mit den furchtlosen Kriegern dieses Volkes einen beinahe aussichtslosen Kampf gegen die großen Völker zu führen. Für welche Kultur ihr euch auch immer entscheidet, wichtig ist zu wissen, dass jeder unterschiedliche Vorteile mit sich bringt.

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So sind die Karthager zum Beispiel als phönizische Handelserben weltweit bekannt und können deshalb extra Einnahmen aus Handelsgebäuden erwirtschaften und müssen außerdem weniger Unterhaltskosten für ihre Soldaten bezahlen. Die britannischen Stämme hingegen sind sehr kriegerisch und außerdem dafür bekannt, dass sie erbittert an ihrer eigenen Unabhängigkeit festhalten und sich nicht ins römische (oder sonstige) Reich eingliedern lassen wollen. Dadurch bekommen sie erhöhte Abwehrwerte, wenn sie auf eigenem oder verbündetem Territorium kämpfen und zusätzlich Bonuspunkte auf die öffentliche Ordnung für jeden Krieg gegen eine benachbarte Fraktion. Egal, für welche Kultur ihr euch also entscheidet, es sollte eure taktische Spielweise beeinflussen, denn die verschiedenen Boni müssen genutzt werden, um erfolgreich das eigene Reich zu führen. Ihr müsst euch ständig die Frage stellen, ob ein Mehrfrontenkrieg nicht nur finanziell erstrebenswert ist, sondern, ob ihr nicht verschiedene Boni bekommt, wenn ihr gleich mehrere Völker angreift. Oder sollte Diplomatie die Waffe der Wahl sein, denn wenn ihr auf drei Seiten von Verbündeten umgeben seid, könnt ihr euch auf eine Front konzentrieren und außerdem recht unbedrängt große Armeen aufstellen – und dann natürlich zur gegebenen Zeit euren Verbündeten in den Rücken fallen.

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Nicht kleckern, sondern klotzen!

So oder ähnlich muss wohl das Motto der englischen Entwickler gewesen sein, denn nur so ist die schiere Menge zu erklären, mit der ihr innerhalb des Spiels erschlagen werdet: 117 verschiedene Fraktionen sind innerhalb der Kampagne anzutreffen, wobei sich die Karte in 183 verschiedene Kartenregionen aufgliedert. Rechnet man die verschiedenen Einheitentypen aller Fraktionen zusammen, so gibt es über fünfhundert (500!) Einheiten zu bestaunen. Insgesamt gibt es 57 Provinzen, die jeweils aus zwei bis vier Regionen bestehen und die – wenn sie komplett von einem Spieler kontrolliert werden – durch sogenannte Edikte verschiedene Boni generieren. So werden zum Beispiel diverse Einheiten schneller produziert oder die Moral der Truppe verstärkt. Außerdem könnt ihr neuerdings gleichzeitig an Land und im Wasser Schlachten schlagen. Insgesamt gibt es zehn verschiedene Schlachttypen, die von Stadtbelagerungen über offene Feldschlachten bis hin zu Hinterhalte und Seeschlachten auf dem offenen Meer reichen. Dazu kommen viele verschiedene Missionstypen innerhalb der Kampagne, sowie große historische Schlachten, die von euch nachgespielt werden können – zum Beispiel die berühmte Belagerung von Karthago (im Jahre 149 vor Christus) oder die hierzulande sehr bekannte Schlacht im Teutoburger Wald im Jahre 9.

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Dazu kommen die Massenschlachten, in denen ihr hunderte eurer Soldaten in den Krieg gegen hundert feindliche Soldaten schickt und diese durch geschickte taktische Schachzüge in eine vorteilhafte Position bringt. Dabei gibt es ein genretypisches Schere-Stein-Papier-Prinzip innerhalb der verschiedenen Klassen: Reiter sind besonders effektiv gegen Fernkampfeinheiten, werden jedoch sehr schnell von Speerträgern niedergemetzelt, die wiederum gegen Schwert- und Axtträgern das Nachsehen haben. Außerdem sollten Fernkampfeinheiten möglichst von oben angreifen und ihren Distanzvorteil nutzen. Bei Belagerungen der Hauptstädte müsst ihr außerdem auf Belagerungswaffen zurück greifen, die sich um die starken Mauern kümmern und dort Löcher hineinschlagen, während eure Infanterie in die Schlacht zieht. Doch Vorsicht: Lasst ihr eure Katapulte ungeschützt, kann es sein, dass sich von der Seite feindliche Einheiten anschleichen und eure Maschinen zerstören. Außerdem können Einheiten im Wald nicht gesehen werden, was für einen Überraschungsangriff von Bogenschützen hervorragend geeignet ist – jedoch ist der Weg durch den Wald natürlich beschwerlich, wodurch ihr nur langsam voran kommt – gerade, wenn ihr berittene Soldaten dabei habt. Es gibt also einen ganzen Haufen an taktischen Möglichkeiten und eure bescheidene Aufgabe ist es, die richtigen auszuwählen.

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Nebenbei müsst ihr lediglich noch euer Reich führen, an allen Ecken und Enden nach Feinden Ausschau halten und dafür sorgen, dass es eurem Volk gut geht, während ihr weiterhin fleißig Heere aushebt und in die Schlacht schickt. Ebenfalls sehr gelungen ist die grafische Leistung, die jedoch auch auf den hohen Stufen ordentlich Hardware fordert. Dafür bekommt man auch einiges Geboten: Massenschlachten mit hunderten von Soldaten, die trotzdem frei von Rucklern sind und stufenloses Rein- und Rauszoomen ermöglichen. Außerdem gibt es schöne Lichteffekte, realistische Schatten und Bäume, die tatsächlich wie Bäume aussehen. Auch der Sound ist wirklich überzeugend, denn das Stampfen von tausenden von Füßen wirkt ebenso lebensecht wie die Todesschreie in der Schlacht und das Geräusch der Belagerungswaffen beim Angriff. Hier wurde in Total War: Rome II tatsächlich nicht gekleckert, sondern geklotzt!

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Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Obwohl dieses Sprichwort zu Recht schon beinahe inflationär benutzt wird, um die Schwächen von zunächst hervorragend anmutenden Titeln zu beschreiben, passt es bei Total War: Rome II wie die Faust aufs Auge, denn nachdem man sich durchs Tutorial gespielt hat, ist man voller Tatendrang und freut sich auf die eigentliche Kampagne – die natürlich ordentlich Spaß macht. Doch dieser Spaß wird viel zu oft von unnötigen Dingen getrübt. So ist zum Beispiel die KI auf der Weltkarte einfach nur dämlich und macht unnötige Züge oder Fehler. Dazu verhält sie sich in den Schlachten unnötig passiv und wartet oftmals nur darauf, dass die eigenen Truppen vorbei kommen, um von ihnen abgeschlachtet zu werden. Ganz gerne stehen auch feindliche Heere an den Seiten der Kampfkarte herum, während sich die Hauptarmeen gerade prügeln und greifen einfach nicht ein, obwohl sie gerade die Entscheidung der Schlacht zu Gunsten der KI verändern könnten. Und manchmal agiert sie einfach dumm-aggressiv, wenn ihr zum Beispiel mit vier Truppen in die Flanke fallen wollt, gesehen werdet, aber dann nur von zwei feindlichen Truppen angegriffen werdet, während die Hauptarmee weiter rumsteht. Dass vier größer zwei ist, dürfte jedem klar sein und durch dieses „taktische Manöver“ habt ihr nun zwei gegnerische Truppenverbände aufgerieben, ohne selbst irgendetwas verloren zu haben. Dazu kommt die Diplomatie, die zwar eine wirklich gute Idee ist und theoretisch ein alternativer Lösungsweg zu den Schlachten sein könnte, letztendlich aber oft viel zu statisch funktioniert und manchmal auch einfach nicht mehr nachvollziehbar ist.

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Etwas lästig ist zudem eure Karriere, da ihr euch durch sehr viele verschiedene Dinge klicken müsst, die mal Upgrades und mal andere Boni bringen, aber letztendlich hätte man das wesentlich kompakter und dadurch effektiver gestalten können. Außerdem erlaubt der Technologiebaum keine wirkliche Spezialisierung auf bestimmte Einheiten, was ebenfalls in die selbe Richtung geht. Auch hier hätten ein paar kompaktere Ideen zur effektiveren Spielverbesserung geführt. Sehr schade ist die Tatsache, dass das Spiel so viel (historisches) Potential bei der Story bietet, jedoch nur sehr oberflächlich an den Geschehnissen kratzt und euch nicht wirklich in den Bann ziehen kann. Die verschiedenen historischen Ereignisse wirken etwas aufgesetzt und schaffen es nicht, dass das Gefühl der Unterhaltung aufkommt. Und manchmal ziehen sich die Schlachten sehr sehr lange, was einfach daran liegt, dass die Karten so groß sind und die Einheiten sich so langsam bewegen. Natürlich tragen diese Größe und die sich daraus ergebenden taktischen Möglichkeiten stark zum guten Schlachtgefühl bei, doch hätte man sich einen Knopf zum Beschleunigen des Spielgeschehens gewünscht, um so in den Schlachten einfach mal bis zu dem Punkt vorzuspulen, an dem es tatsächlich wieder Action gibt.

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Persönliches Fazit

Total War: Rome II ist ein gutes Spiel, keine Frage. Die Schlachten sind super spannend, die taktischen Möglichkeiten sind wichtige Grundpfeiler jedes Kampfes und die verschiedenen Pflichten zum Führen des Reiches passen sich sehr gut in das Spielkonzept ein. Es gibt sehr viele verschiedene Missionen, ihr könnt und müsst eure Truppen in die richtige Formation bringen, um euch zum Beispiel gegen Pfeilhagel wehren zu können und habt außerdem Zugriff auf eine große Enzyklopädie, die eine sehr gute Spielhilfe bietet und jederzeit aufgerufen werden kann. Dazu kommen mehrere Schwierigkeitsgrade, sowie Online-Gefechte und -Kampagnen gegen menschliche Mitspieler. Das alles macht Rome II zu einem guten Spiel. Zu einem guten, jedoch nicht zu einem hervorragenden, denn dazu gibt es leider zu viele unnötige Probleme. KI steht wohl ganz oben auf der Liste und obwohl mittlerweile einige Patches veröffentlicht worden sind und die gröbsten Schnitzer behoben wurden, gibt es immer noch oft genug Situationen, in denen man sich an den Kopf greift und sich fragt „Warum?“. Wenn die Entwickler weiterhin an diesen Problemen arbeiten, dann kann aus dem Titel wirklich ein hervorragender Strategie-Hit werden, der jeden überzeugen dürfte. Im Moment werden Taktik-Fans natürlich immer noch stundenlangen Spielspaß genießen dürfen, doch wird dieser leider immer wieder mal getrübt. Trotzdem: Wer auch nur ansatzweise etwas mit dem Spielprinzip anfangen kann, der kann getrost ein Auge auf Total War: Rome II werfen und die taktischen Finessen des Spiels genießen.

Positiv:
- sehr viele Völker und Kulturen vorhanden
- Schlachten an Land und auf dem Meer
- sehr viele taktische Möglichkeiten
- gutes Tutorial
- gute Grafikleistung
- über 500 verschiedene Einheiten

Negativ:
- sehr schwache KI
- Schlachten könnten schneller sein
- seichte Story

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Euer Hardbloxx-Team
Test erstellt von Hardbloxx.Fefestars

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