AMD A10 6800K

Test / Testbericht: AMD A10 6800K / AMD A8 6600K



AMD Fusion beziehungsweise APU (Accelerated Processing Unit), wie AMD seine Schöpfung der Verschmelzung aus Hauptprozessor (CPU) und üblicherweise ausgelagerter Grafikprozessoreinheit (GPU) nennt, ist längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Die erste Generation war zwar vorerst nur für mobile Geräte wie Notebooks gedacht, bekam aber so gute Resonanz, dass sie mit der zweiten Generation auch in das Desktop-PC-Segment Einzug fand. So könnt ihr auch euren PC mit kraftvoller Leistung und ästhetisch eindrucksvoller Bildwiedergabe, also dem Besten aus beiden Welten, mit nur einer Komponente ausstatten. Das alles geht hiermit, ohne dabei übermäßig viel Geld in eine ausgelagerte Grafikkarte investieren zu müssen oder eben ein großes Platzangebot und Kühlungsvermögen für diese externe Einheit bieten zu müssen. Durch diese Revolution von beschleunigten Desktop-Prozessoren hat AMD die Spielregeln für PCs neu erfunden: So hat man einerseits die kraftvolle Leistung von Multicore-CPUs mit den ästhetisch eindrucksvollen Bildwiedergabemöglichkeiten der AMD Radeon Grafikkarten kombiniert und auf einen einzigen, energieeffizienten Chip gebracht. Gibt es doch schon lange von Intel, würden die meisten nun sagen. Auf den ersten Blick mag das durchaus auch stimmen, doch kann man hier wirklich so eine einfache und abschmetternde Aussage treffen? Wir sagen jedenfalls klar „Nein!“. Unser Test verrät dazu mehr.

Testsystem

CPUs: AMD A8 6600K & AMD A10 6800K
Grafikkarte: integrierte Einheiten (Radeon HD 7660D bzw. Radeon HD 7560D)
Mainboard: MSI FM2-A85XA-G43
Arbeitsspeicher: Kingston HyperX Blu Black 8GB 1600MHz
SSD: Kingston HyperX 3K 120GB
Netzteil: Seasonic G-750

Allgemein

Doch für wen sind diese APUs eigentlich gedacht? Im Grunde für alle und jeden, denn AMD hat ein weites Spektrum an APUs mit ganz speziellen Eigenschaften für jedweden Aufgabenbereich von Prozessoren mit dem Nötigsten für schlichtes Surfen und einfache Office-Arbeiten bis hin zu welchen, die für beeindruckendes Gaming und anspruchsvolle Office-Anwendungen geeignet sind. Diese APUs sind wie folgt gestaffelt und leicht erkennbar an der Benennung (Staffelung und Kommentare sind der offiziellen Seite von AMD entnommen und spiegeln nicht die allgemeine Meinung des Tests wider):

AMD A4 – für die Grundfunktionen:

  • Blitzschneller Zugriff auf Musik, Fotos und Videos zu
  • AMD Steady Video Technologie 2.0 für flüssige und stabil laufende Videos
  • Windows 8-ready
  • USB 3.0-Unterstützung

AMD A6 – ideal für erweiterte Grundfunktionen:

  • AMD A4 Features plus…
  • gesteigerte Produktivität beim Komprimieren von Dateien
  • höhere Qualität für Fotos und Videos mit dem AMD HD Media Accelerator
  • AMD Eyefinity Technologie für den einfachen Betrieb mehrerer Monitore

AMD A8 – für Gaming und anspruchsvolle Anwendungen:

  • AMD A6 Features plus…
  • Intensive Spiel- und Videoerfahrung mit AMD HD3D
  • DirectX 11-fähige Grafik
  • AMD Radeon Dual-Grafik-Technologie

AMD A10 – für alles gewappnet:

  • AMD A8 Features plus…
  • AMD Turbo Core 3.0 Technologie
  • verbesserte AMD Radeon Dual-Grafik-Technologie
  • überragende Geschwindigkeit von bis zu 4,4 GHz für Spiele und Anwendungen

Architektur

Das Herzstück der APU bilden auf der einen Seite einen weiterentwickelten Bulldozer-Kern, der Piledriver und auf der anderen Seite eine Radeon-HD-6900-Grafikeinheit. Den Chip aus der Kombination aus beiden Einheiten nennt AMD „Trinity“. All diese Chips entstammen dem A1-Stepping (Llano war B0, Ivy Bridge gar E1). Auf dem rund 246 mm² großen Chip (Llano-APU: 228mm²) im 32 Nanometer Herstellungsverfahren finden 1,3 Milliarden Transistoren (Llano-APU: 1,18 Milliarden) ihren Platz. Zum Vergleich: Ein Radeon-HD-7970-Chip auf einer externen Grafikkarte hat 4,3 Milliarden, ist also ungleich größer, aber auch natürlich wesentlich teurer. Nichtsdestotrotz ist aber die Leistung der Einheit in der APU nicht zu verachten.

Nach dem Erfolg der ersten Generation der Trinity APUs – zu ihrer Zeit nur auf mobile Geräte beschränkt – gibt es diese AMD-Revolution mit der zweiten Generation der A-Serie inzwischen auch schon länger für Desktop-Geräte. Mit diversen Verbesserungen zur letzten Generation verspricht AMD Performanceverbesserungen von bis zu 15 Prozent und macht die APUs gleichsam noch attraktiver. Dieser Leistungsschub soll vor allem durch Detailverbesserungen in den verschiedensten Bereichen der Architektur erreicht werden. Darunter sind beispielsweise Modifikationen im Bereich der Caches und der Sprungvorhersage oder auch beim Scheduler. Mit der Sprungvorhersage versucht der Prozessor, den Programmablauf vorherzusagen und lädt wahrscheinlich in Kürze benötigte Operationen bereits vorweg. So steigert eine positive Vorhersage die Leistung und somit ist eine gute Trefferquote in der Vorhersage maßgeblich dafür. Der Scheduler verteilt die Befehle auf die beiden Integer- und die eine Fließkommaeinheit, so sorgt eine verbesserte und optimierte Verteilung ebenfalls für einen Leistungsschub.

Während die FX-Prozessoren im Desktop-Segment einen eher recht schweren Stand hatten und eigentlich auch noch haben, verkaufen sich die APUs der A-Serie bereits seit der Llano-Basis wie warme Semmel, gerade auch bei den OEMs sowie Systemintegratoren. Doch werden sie auch bei Gamern immer beliebter, nicht zuletzt auch wegen der Möglichkeit, die interne Grafikeinheit (iGPU) der APU mit ausgewählten externen GPUs quasi parallel zu schalten. Dazu später noch etwas mehr.

Ein kleiner Rückblick zum besseren Verständnis und zum leidigen Thema Sockel: Die ersten A-Prozessoren, wie jene der Llano-Serie für den FM1-Sockel basieren technisch auf dem Phenom II und verfügen über maximal vier Rechenkerne. Der A10 5800K aus unserem Test ist sogar den aktuellen FX-Chips voraus, basiert auf der Bulldozer-Architektur mit Codenamen »Piledriver« und die Verbesserungen befinden sich vor allem im Bereich der neuen Befehlsätze AES, AVX und FMA sowie optimiertem Cache-Zwischenspeicher. Dazu kommt, wie bereits erwähnt, eine überarbeitete Sprungvorhersage. Da aber sowohl dem A8 wie auch dem A10 der L3-Cache fehlt, wie er in den FX-Prozessoren vorhanden ist, lässt sich so nicht so einfach die Leistung der kommenden FX-CPUs ableiten. Zwar gibt es daher eine leichte Stagnation in der Leistungsfähigkeit der CPU-Einheit, diese rührt aber lediglich daher, dass AMD mehr Power in die GPU-Einheit gepackt hat. Diese wird so deutlich schneller und lässt Intel hinter sich.

Mehr dazu erfahrt ihr in der folgenden Abbildung:

AMD Trinity
AMD_Trinity

Einerseits steht Trinity auch, oder gerade vor allem, in Sachen Integer-Workloads besser da. Andererseits ist bei 3D-Performance, wie bereits erwähnt, die Radeon HD-Einheit einer Intel HD Graphics Einheit weit überlegen.

Dass aber auch die Piledriver-Architektur hohe Taktfrequenzen für eine gute Leistung benötigt, zeigt beim A10 5800K schon allein der Basistakt von 3,8 GHz, welcher per Turbo-Modus noch auf bis zu 4,2 GHz gesteigert werden kann – der A8 3850 arbeitet hier im Vergleich mit 2,9 GHz. Grundsätzlich – aber Ausnahmen bestätigen die Regel – geht der Grafikchip immer vor, das heißt, erst wenn die integrierte Radeon HD 7660D Einheit maximal ausgereizt ist,  klinkt sich der CPU-Turbo ein. Wie der direkte Vorgänger verbraucht auch der neue A10 5800K maximal 100 Watt TDP laut Hersteller, hier gibt es also leider keine Verbesserung nach unten.

Dual Graphics – die Zweite

Wie auch schon bei Llano können auch bei Trinity die integrierten Radeons per asymmetrischem Crossfire mit schnelleren und dedizierten Radeon Grafikkarten gekoppelt werden. Hierbei handelt es sich um die Modelle HD 7670, HD 7650, HD 7550, HD 7510 und HD 7450. Die Funktion wurde bei Trinity zwar deutlich verbessert und wird gleichsam auch von immer mehr Technologien gängiger Mainboard-Entwickler und -Hersteller weiter unterstützt, doch entgegen der Bezeichnung steckt auch hier keine aktuelle GCN-Technologie zur Verfügung. Dies bedeutet, dass man vom “Zero Core”-Feature einer dedizierten Radeon HD 79×0/78×0/77×0 keinen Synergie-Effekt erwarten darf. Hier liegt der mobile Bereich wieder klar im Vorteil, denn per Enduro klappt es.

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Leistung

Beide APUs legen sich bei den meisten Spielen und Benchmarks ordentlich ins Zeug. Sogar bei Grafikbomben wie Metro Last Light schlagen sich die integrierten Grafikeinheiten wacker – zumindest bei niedriger voreingestellter Auflösung. Andererseits sorgten die sehr wenigen Ausfälle für ein Stirnrunzeln, da sie auf Unverständnis trafen. Schließlich haben beide APUs auch schwerere Aufgaben gemeistert.

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Vor allem aber im Hinblick auf die gängigen Benchmark Umgebungen mag auffallen, dass sich der kleinere A8 wacker gegen die A10 APU schlägt. Dadurch ist aber auch der Stromverbrauch entsprechend ähnlich und nicht etwa merklich geringer.

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Der Blick in die Glaskugel

Für 2014 kündigte AMD bereits die nächste Generation an APUs unter dem Codenamen „Kaveri“ an. Die ersten Modelle sind auch bereits seit dem 14.01.2014 erhältlich. Besonderes Feature hierbei ist, dass die Grenzen zwischen CPU- und GPU-Einheit praktisch verwischt werden und in der Summe „Compute Processors“ bilden. Möglich macht dies auf der einen Seite die neue hUMA-Einheit, welche den Zugriff der einzelnen Prozessor-Einheiten innerhalb der APU auf den Speicher verbessert. Auf der anderen Seite revolutioniert das sogenannte hQ die Interaktion zwischen CPU- und GPU-Einheit innerhalb der APU. Dies soll den AMD APUs noch einmal einen ordentlichen Schub in Sachen Leistung geben.

Die harten Fakten und Verbesserungen gegenüber den direkten Vorgängermodellen sind eine integrierte Radeon R7- oder R5-Grafikeinheit, verbesserte Steamroller-Module (hinsichtlich Befehlssätze und weiterer Features), höhere Taktraten, Black Editions (frei wählbarer Mulitplikator), ein integrierter Speichercontroller und eine TDP von maximal 95 Watt.

Wie sich diese Modelle schlagen, bleibt natürlich noch abzuwarten. So wie eine neue CPU-Welle ins Rollen kommt, kommt aber auch immer eine Testwelle ins Rollen. Wir werden natürlich für euch mit auf dieser Welle surfen und uns auch bald an einen Test machen.

AMD Kaveri
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AMD Kaveri_2
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Persönliches Fazit

AMD zeigt sich mit ihren APUs von ihrer starken, wenn nicht gar besten Seite. Vor allem die integrierten Grafikeinheiten liefern eine moderate bis gute Leistung, nicht nur für Casual Gamer. Insbesondere das asymmetrische Crossfire macht die APUs aus dem Hause AMD nicht nur für Sparfüchse durchaus sehr interessant, denn hier steckt jede Menge Potential – und auch schon jetzt Leistung – dahinter. Natürlich gibt es hier und da noch ein paar kleinere Probleme oder „Kinderkrankheiten“ und so manche Sache läuft mit dieser Art der Struktur noch nicht so ganz rund, jedoch sind wir einerseits positiv überrascht und freuen uns andererseits auf die Weiterentwicklung dieser sehr interessanten Geschichte.

Negativ:
– wenige aber unverständliche Aussetzer der Grafikeinheit bei manchen Auflösungen/Spielen
– teils etwas schwach auf der Brust / unausgereift

Positiv:
– gutes Preis/Leistungsverhältnis
– attraktive Alternative zur dedizierten Grafikkarte für alle Casual Gamer und Offiice Anwender
– interessantes asymmetrisches Crossfire System für (Hard-)Core Gamer

Für solch eine Leistung zu einem Preis von derzeit gerade einmal 125,89€ (AMD A10 6800K) beziehungsweise nur 92,89€ (AMD A8 6600K) gibt es von uns ganz ohne Zweifel den Hardbloxx Preistipp-Award. Schließlich bekommt man nicht nur das Herzstück eines Computers, sondern auch noch eine recht ordentliche Grafikeinheit, welche auch noch spielend um eine dedizierte Grafikeinheit erweiterbar ist.

PreisTIPP

Euer Hardbloxx-Team

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