Test/Testbericht: Thermalright AXP-100 Muscle

Thermalright AXP-100 Muscle_logo

Alles wird immer kleiner, schmaler, leichter oder dünner. Dieser Werdegang macht auch immer weniger vor dem heimischen PC Halt. Aber nicht nur in Sachen einfacher HTPCs oder der heimischen Spielekonsole, nein, auch in Sachen Gaming-Rechner oder OC-Wunder wird die entsprechende Hardware vermehrt immer kleiner. Mehr Leistung erfordert natürlich auch mehr Kühlung und so entschloss sich Thermalright zu einer Neuauflage beziehungsweise einer verbesserten Version des renommierten AXP-100. Sie entwarfen kurzerhand eine Version mit dem gewissen Extra an Kühlleistung, den Thermalright AXP-100 Muscle. Wer den Vorgänger schon kannte, weiß, hier ist wahrlich ein sehr kleiner Kühler, fast schon in der Boxed-Liga der Kühler, am Start. Anders als diese protzen der Thermalright AXP-100 und der neue Thermalright AXP-100 Muscle mit deutlich mehr Kühlleistung. Neben dem stärkeren Lüfter wurden vor allem auch Verbesserungen hinsichtlich der Abmessungen des Kühlkörpers vorgenommen.

Seit der Unternehmensgründung vor mehr als einem Jahrzehnt im Jahr 2001 hat sich Thermalright der Entwicklung professioneller Kühllösungen für den PC gewidmet. Viele ihrer Innovationen definieren heute die Standards in diesem Bereich. So setzte Thermalright vielerlei Meilensteine für die Geschichte der CPU-Kühlung.

Wie diese genau aussieht und was sich damit so alles machen lässt, verrät unser Test.

Testsystem:

CPU: Intel Core i5 4670K (@4,0 bzw. @4,2GHz)
Mainboard: Asus Maximus Impact
Arbeitsspeicher: Kingston HyperX Blu Black 8GB 1600MHz
SSD: Kingston HyperX 3K 120GB
Netzteil: Seasonic G-750 / 750 Watt Gold Zertifiziert
Gehäuse: Phobya Benchtable
Kühler: Thermalright AXP-100 Muscle

Datentabelle:

Maße ohne Lüfter:Maße mit Lüfter:119 x 105 x 44mm (LxBxH)119 x 105 x 58mm (LxBxH)
Lüfter:1x TY-100BW (108x101x14mm; optional auch 108x101x25mm)
Gewicht ohne Lüfter:260 Gramm (mit Lüfter: 306 Gramm)
LuftdurchsatzLautstärkeMaterial27,2~75,6 m³/h22~30 dbAVernickeltes Kupfer / Aluminium
Stromanschluss:4 PIN-PWM
Sockel:Intel-Sockel 775, 1155, 1156, 1366, 1150
AMD-Sockel AM2, AM2+, AM3, AM3+, FM1, FM2
Lieferumfang:TY-100BW Lüfter; Kühlkörper; Befestigungszubehör;
Wärmeleitpaste; Befestigungsanleitung;

 

Verpackung/Lieferumfang:

Im Gegensatz zum direkten Vorgängern oder auch seinen Geschwistern, wie beispielsweise dem bereits von uns getesteten Thermalright AXP-200, kommt der Thermalright AXP-100 Muscle in einer bei Weitem nicht mehr so schlichten Verpackung. Einzig geblieben ist die Größe des Päckchens, welches einem sogleich vermittelt, dass sich hier zwar kein großes, aber gewiss ein leistungsfähiges Kraftpaket im Inneren versteckt. Nicht nur der Firmenname und die Artikelbezeichnung zieren zwei der Seiten des Kartons, sondern es kamen auch noch jeweils Produktfotos hinzu. Außerdem finden sich nun auch kleine Bildchen mit Schriftzug für die Main-Features des Kühlers auf der einen und die Spezifikationen auf der gegenüberliegenden Seite. Die Verpackung ist ansonsten in den Farben Schwarz und Rot gehalten. Die Schriftzüge der „Muscle“-Version sind eindeutig aggressiv und deuten die extra Portion Kraft an – ganz im Sinne einer Muckibude oder Proteinshakes. Thermalright hat hier also deutlich mehr auf eine plakative und anziehende Verpackung gesetzt als bei den vergangenen Kühler-Versionen. Doch nicht nur außen, auch innen hat sich etwas getan. Statt des gewohnten Schaumstoffs rund herum sowie den einzelnen durch weitere Schaumstoffplatten getrennten Kammern, kommt nunmehr eine Plastikschale zum Zuge, welche den Kühlkörper sicher fasst und durch genug Luft zwischen Plastik und Karton vor Stößen schützt. Der mitgelieferte Lüfter sowie die Befestigungsmaterialien und die Anleitung liegen auch alle sicher voneinander getrennt und geschützt durch die gewohnten, aber nun dünneren, Schaumstoffplatten bei.

Neben den üblichen Verdächtigen des Verpackungsinhalts, wie allerlei Schrauben, Muttern, Unterlegscheiben, Rahmen, Wärmeleitpaste und der Installationsanleitung befindet sich im Paket allerdings kein optionaler Befestigungsrahmen für einen größeren Lüfter. Im Sinne des schlanken Formfaktors und im Hinblick auf den Einsatz in einem mITX-System liegen stattdessen nur längere Schrauben bei, mit denen man einen optionalen höheren Lüfter befestigen kann. Dem AXP-100 Muscle liegt nämlich der hauseigene TY-100BW mit speziellen Abmessungen (108x101x14mm) bei. Dieser kann aber auch durch einen anderen leistungsfähigeren 100mm Lüfter ersetzt werden, um noch mehr Leistung in Sachen Kühlung aus dem Thermalright AXP-100 Muscle herauszuholen. Man muss bei einem Wechsel des Lüfters jedoch die neuen Abmessungen und den Platz im Gehäuse stets im Auge behalten. So oder so versetzen einen die innovatiten Thermalright-Lüfter nicht nur auf den ersten Blick in Erstaunen. Sie sind gerade einmal doppelt so hoch wie das zugehörige PWM-Anschlusskabel dick ist und verfügen, trotz ihrer Größe, über einen respektablen Luftdurchsatz und eine geringe Lautstärke – Respekt!

Unter dem Lüfter verbirgt sich dann in einer eigenen Schaumstoff-Kammer das eigentliche Herzstück, der Thermalright AXP-100 Muscle Kühler im bewährten, innovativen und T-förmigen „Down Draft“ Kühlerdesign, wie auch die großen Brüder der AXP-200 Serie und der AXP 100 Vorgänger. Dieses Design sorgt nebst CPU-Kühlung mit dem senkrechten Luftstrom auf das Mainboard auch für eine Kühlung der umliegenden Bauteile, trotz des kompakten Faktors. Dieser wurde im Vergleich zum Vorgänger sogar noch kompakter, da der Lüfter nun an den Seiten mit dem Rahmen des Kühlers abschließt und an der Ober- und Unterkante die Heatpipes und deren Enden ebenfalls nicht überragt. Außerdem wichen die schön anzusehenden Endkappen der Heatpipes, welche wie der Kopf eines Kolbens in einem Motor aussahen, nun kleineren Kappen mit der Form von Spitzen einer Pistolenpatrone. Dies soll der Optik jedoch keinen Abbruch tun, denn der kleine Kraftprotz bringt einen dennoch zum Lächeln, nicht nur weil er so süß und klein ist. Er macht nach seinem Facelift optisch eine gute Figur.

Thermalright AXP-100 Muscle_1
Thermalright AXP-100 Muscle_11

Verarbeitung:

Der Thermalright AXP-100 Muscle Kühler gibt in Sachen Verarbeitung eigentlich keinerlei Raum für Kritik. Es ist zwar schade, dass die Enden der Heatpipes nicht mehr so schön sind, wie die des alten Kühlers, doch ist dies wohl auch eine Geschmackssache. Es mindert auf jeden Fall nicht die Leistung und sorgt darüber hianus für weitere Platzersparnis sowie für weniger Hitzestau in diesen dicken Enden. Alle der 40 Aluminium-Lamellen weisen durchweg keine scharfen oder verbogenen Kanten auf. Die 6x6mm vernickelten Kupfer-Heatpipes sind ebenfalls makellos in die Lamellen und in die vernickelte Kupfergrundplatte eingefasst und haben durch die neuen, über die letzte Lamelle herausragenden, Enden ein schönes Finish bekommen. Diese Neuerungen ergeben ein Bild einer sehr hochwertigen Verarbeitung auf respektablem kleinstem Raum.

Blickt man von oben durch die Lamellen auf die Oberseite der Grundplatte, spiegelt sich dort gebürstetes Aluminium wieder, welches mit einem Hologramm des Firmenlogos, dem Firmenname und der Produktionsnummer des Kühlers versehen ist. Dieses Gimmick verschwindet zwar nach dem Einbau in die ewigen Tiefen des Gehäuses, zeugt aber ebenso von einer hochwertigen Verarbeitung. Die Lamellen werden wie gewohnt durch eine bereits vorinstallierte Klammer an der Oberseite der Grundplatte gestützt. Auch die sich an beiden Rändern des Kühlers befindlichen Leisten sind nach wie vor vorhanden, um weiterhin den Airflow zu unterstützen.

Die meisten Änderungen spielen sich, nebst dem stärkeren Lüfter und den auffälligen Enden der Heatpipes, wohl im Bereich der Abmessungen des Kühlkörpers ab. Statt in der Breite 105,47mm zu messen, sind es nun nur noch glatte 105mm. In der Länge schrumpfte er ebenfalls von 121,1mm auf glatte 119mm. Durch die schlankeren Spitzen der Heatpipes stieg die Höhe vom Grund der Bodenplatte zur Stoßkante der Heatpipe-Spitzen von ehemals 30,35mm auf 32,15mm. Durch diese Veränderungen wird Kollisionen mit anderer Hardware noch mehr aus dem Weg gegangen.

Der äußerst schmale Thermalright Lüfter ist ebenfalls von der Verarbeitung her sehr gelungen und fügt sich perfekt in das Bild des schlanken Kühlers ein. Auch der Lüfter weist weder am Rahmen, noch an den Rotorblättern keinerlei scharfe Kanten auf. Ebenso sucht man hier vergeblich nach dem einen oder anderen Grat als Herstellungs- und Verarbeitungsrückstand – toll!

Thermalright AXP-100 Muscle_5
Thermalright AXP-100 Muscle_4

Installation:

Dank der beiliegenden und gewohnt leicht verständlichen Anleitung und einem ähnlich gängigen Befestigungssystem, wie man es beispielsweise von Noctua-Kühlern gewohnt ist, geht die Installation  recht schnell und einfach von der Hand. Anders als beim Vorgänger oder den Modellen der AXP-200er Serie gibt es bei der Muscle Version jedoch keine Backplate mehr. Man steckt einfach Schrauben mit einer robusten Unterlegscheibe aus Plastik durch die Bohrungen und macht sie auf der anderen Seite mit den Muttern und Innengewinde auf der Oberseite fest. Auf diese Muttern kommt im Folgenden der Halterungsrahmen.

Ähnlich wie auch schon in vielen unserer vorangegangenen Tests, wie beispielsweise dem Xigmatek Dark Knight oder dem Alpenföhn Matterhorn PURE sowie auch den anderen Thermalright AXP-100 und AXP-200 Modellen, kommt auch beim Thermalright AXP-100 wieder eine weitere Querverstrebung zum Zuge, welche den Kühler auf der CPU hält. Letztere erfordert jedoch etwas Fingerspitzengefühl, da die Schrauben bis auf die Bohrungen in der Querverstrebung selbst keinerlei Führung haben und man passgenau die Gewinde des Halterungsrahmens treffen muss. Ansonsten springen die Schrauben wieder heraus oder die ganze Querverstrebung verrutscht – ärgerlich!

Man braucht zwar im Gegensatz zu den Vorgängern beziehungsweise den anderen Modellen nicht unbedingt weiteres Werkzeug, wie beispielsweise einen magnetischen Schraubenzieher oder gar eine gebogene Pinzette, doch waren die Verbesserungen hier so gering, dass noch Luft nach oben ist. Man geht zwar schon in die richtige Richtung, doch wäre hier eine noch komfortablere Installation durchaus wünschenswert.

Die Installation des Lüfters gestaltet sich dagegen wieder denkbar einfach, auch trotz des speziellen Formats. Doch was soll dieses andere Format schon groß ändern? Richtig, nur die Abstände der Bohrungen. Da es sich auch um einen Slim-Lüfter handelt, bleibt der Schraube eigentlich auch keine Luft, sich irgendwo anders hin zu „verdünnisieren“. Wie bereits erwähnt, ist es auch das gleiche Spiel, wenn man einen leistungsstärkeren Lüfter installieren möchte, nur dass man dafür die beiliegenden längeren Schrauben verwenden muss.

Platz für weitere Lüfter bietet der AXP-100 Muscle nicht und diese braucht er eigentlich auch gar nicht. Schließlich wurde er genau dafür konzipiert.

Was den RAM angeht, so sind beim Thermalright AXP-100 auch RAM-Bänke mit höheren Kühlern möglich. Wegen seiner geringen Ausmaße kommt er mit seinen umliegenden „Nachbarn“ nicht ins Gehege. Bei so manchem mITX-Mainboard mag aber vielleicht nur der äußere der beiden RAM-Slots von einem RAM-Riegel mit hohem Kühlkörper belegt werden. Der CPU-Kühler sitzt nämlich bei dem RAM-Slot nahe des CPU-Sockels schon bereits bei einem RAM-Riegel mit eng anliegendem Kühlkörper fast schon auf.

Thermalright AXP-100 Muscle_3
Thermalright AXP-100 Muscle_16

 

Nach der – trotz der Änderungen am Design – noch immer etwas fummeligen Installation der Querverstrebung an den Halterungsrahmen wird man jedoch bald feststellen, dass sich die kleine Mühe für den noch kleineren Kühler durchaus gelohnt hat. Im PWM-Betrieb schaufelt er die Luft nahezu lautlos über die Lamellen und hält den Prozessor selbst unter OC-Bedingungen (@4,2GHz) mit 71,7°C gänzlich fern der 80°C Marke. Bei manueller Ansteuerung per 7V beziehungsweise 12V steht der Thermalright AXP-100 Muscle „seinen Mann“ und präsentiert seinen „prallen Bizeps“. Hier drückt er die Temperatur bei OC-Bedingungen noch mit 69,5°C beziehungsweise 66,0°C unter die 70°C-Marke. Im Normalbetrieb beziehungsweise Turbo-Modus des Mainboards ohne weitere OC-Vorkehrungen liegen die Werte mit im Schnitt 4°C weniger noch deutlich darunter. Einziger Wehrmutstropfen: Der Lüfter lässt sich nicht per Adapter auf 5V herunterregeln, da er mindestens circa 6V braucht, um überhaupt anzuspringen. Bei voller 12V Versorgung ist er zwar recht gut hörbar, aber arbeitet dennoch im gut erträglichen Bereich und einer angenehmen Frequenz. Das geht wesentlich schlimmer, schriller oder lauter. Im PWM-Betrieb und bei 7V arbeitet er praktisch unhörbar. Die unten angeführten Angaben von „non-OC“ beziehen sich auf den normalen Turbo-Modus des Mainboards des Testsystems und nicht den Modus „Normal“. Gemeint ist lediglich, dass hierfür kein manuelles Overclocking betrieben wurde.

Thermalright AXP-100 Muscle Temps

Thermalright AXP-100 Muscle Temps_2

Persönliches Fazit:

Der Thermalright AXP-100 Muscle überzeugt nach seinem Facelift und der extra Portion Power auf ganzer Linie. Klein, kräftig und mit der Möglichkeit zum Aufrüsten bietet er alles, was man für ein Mini-System in Sachen CPU-Kühler haben möchte – vielleicht sogar noch etwas mehr. Statt zu ächzen wie die Bullen in der Muckibude, schnurrt er dabei auch noch leise wie ein Kätzchen vor sich hin. Sollte man es mit dem Overclocking nicht zu hoch treiben, bekommt man hier ein hervorragendes Stück Hardware, welches in jedem Falle zu keinem Nachbarschaftsstreit auf dem Mainboard führt.

 

Positiv:

 

– sehr klein, kompakt, leicht und einfach in der Handhabung
– für die Größe eine herausragende Kühlleistung
– sehr laufruhig, selbst bei 12V noch gut akzeptabel

Negativ:

– kein 5V Betrieb möglich (wobei es vernachlässigbar wäre)
– nur in 2 Ausrichtungen installierbar

Für die dargebotene Kühlung auf kleinstem Raum – selbst in Sachen Overclocking und wenn man bedenkt, dass es sich hierbei eigentlich um einen HTPC- beziehungsweise Mini-System-Kühler handelt – hat sich das kleine Kraftpaket allemal unseren Hardbloxx Leistungs-Award verdient.

LeistungsTIPP

 

 

Euer Hardbloxx-Team

Kommentar verfassen