
Im Jahre 2004 erschien ein Spiel, dass die Massen teilte und das Genre der Action-Rollenspiele revolutionieren wollte. Das dies mit Sacred nicht so klappte, wie sich Ascaron das vorgestellt hat, sei einmal dahingestellt. Dennoch war es ein solides und schön zu spielendes Action-Rollenspiel, das vor allem Diablo 2 als Vorbild hatte. Als 2008 letztendlich Sacred 2 erschien und einiges besser machte, als der Vorgänger, stieg die Fangemeinde um das ARPG stark an. Leider blieb der erhoffte Erfolg aus und Ascaron musste 2009 Insolvenz anmelden, was größtenteils daran lag, dass Sacred 2 starke Verzögerungen hatte. Mit Sacred 3 werden viele Fans aufschreien, sich freuen, dass Ancaria wieder auflebt und der Kampf weitergeht. Doch was uns der neue Publisher Deep Silver zusammen mit dem Entwickler Keen Games hier zeigt, ist kein Sacred mehr. Kann das Konzept trotzdem aufgehen?
Der Bruch mit dem Alten
Sacred 3 ist kein klassisches Action-Rollenspiel mehr, wie man es von den Vorgängern kennt. Viel mehr ist es ein Arcade Action-Spiel aus der Vogelperspektive. Ihr schleust eure Spielfigur durch Schlauchlevels und mäht in vorgegebenen Bereichen Gegnerhorden nieder. Während die Monster auf euch zustürmen, entstehen an den beiden Ausgängen des Areals künstliche Barrieren, die erst wieder verschwinden, sobald ihr den letzten Gegner geplättet habt. Genauso verhält es sich auch mit Boss-Gegnern, die am Ende jedes Levels auf euch warten. Erst nach dem Betreten eines der Boss-Symbole, erscheint eine kurze Zwischensequenz und der Boss-Kampf beginnt. Zudem habt ihr keine freie Welt mehr, auf der ihr herumlaufen könnt. Nach Abschließen eines Levels, wählt ihr auf einer Karte das nächste Level mit dem Cursor und startet das Spiel.
Charakterklassen und Rassen
Das erste, was ihr machen müsst, ist das Auswählen eines Charakters. Anders als von den früheren Teilen bekannt, müsst ihr euch hier statt für eine Klasse nur für eine Rasse entscheiden. Zur Auswahl steht der kräftige Safiri, der als Hülle für den Krieger dient und mit Hämmern und Äxten zuschlägt. Die nächste im Bunde ist die bekannte Seraphim, ein engelhaftes Wesen, das die Welt von Ancaria schon seit Anbeginn durchstreift. Als Bogenschütze steht euch der Khukuri zur Verfügung und wer gerne mit dem Speer kämpft, der greift zur Ancarian.
Euren Charakteren stehen von Beginn an keine Zusatzeigenschaften zur Verfügung. Diese müsst ihr im Laufe des Spiels durch das Freischalten von speziellen Geistern erlangen. Habt ihr den Geist des Kampfmagiers befreit, verzaubert er eure Waffe z.B. mit Elektro-Energie. Folgt euch die Elfe, gewähren euch Heilkugeln eine höhere Heilkraft. Alles in allem ist das System zwar nett aber leider auch nicht sehr interessant. Noch viel schlimmer sind die überaus dummen und sich dauernd wiederholenden Sprüche eurer Geister. Insbesondere die Elfe nervte uns mit ihrem sinnlosen Gesang so stark, dass wir den Ton nach wenigen Minuten komplett deaktiviert haben.
Diablo 3 lässt grüßen
Dass Sacred 3 ein schnelles auf die Massen ausgelegtes Actionspiel sein soll, zeigt auch das Gameplay und die Heilfähigkeiten. Wie auch in Diablo 3 könnt ihr mittels einer Seitwärtsrolle gegnerischen Angriffen ausweichen und entgehen. Einige Boss-Kämpfe verhielten sich in etwa so: Schlagen, Rolle, Schlagen, Rollen und so weiter. Zudem gibt es für euch zwar Tränke, die euch heilen, doch sind diese selten und stark begrenzt. Viel mehr müsst ihr, wie beim teuflischen Konkurrenten, Heilkugeln einsammeln, die euch während eines Kampfes heilen. Auch eure Spezialfähigkeiten könnt ihr nur begrenzt ausführen. Ist die Energie dafür verbraucht, lädt sie sich nur langsam wieder auf oder ihr müsst auch hierfür spezielle Energiekugeln aufsammeln. Während des Spielens war es auffällig, dass auch in Sacred 3 die Ausweichtaste schnell zur „Imba-Taste“ wird, da ihr somit viele Gegner schnell ausschalten könnt.
Items? Fehlanzeige!
Dass Sacred noch nie ein wahrer Taktikheld war, das werden Fans der Serie sicherlich wissen. Doch waren die Kämpfe immer typisch Hack & Slay und man hoffte dabei immer auf seltene und supertolle neue Gegenstände. Und grade hier konnten die Teile davor auch immer überzeugen, da es einfach Spaß machte, auf Item-Jagd zu gehen. Sacred 3 bricht komplett damit und liefert euch keinerlei Items mehr. Nachdem ihr die unzähligen Monster umgenietet habt, findet ihr maximal etwas Gold und Heilkugeln wieder. Items ergattert ihr erst am Ende eines Levels, aber freut euch nicht zu früh. Hier steht euch maximal eine komplett neue Waffe zur Verfügung, mehr nicht. Möchtet ihr eine Rüstung, dann müsst ihr diese als „Skill“ auf dem richtigen Level freischalten. Und wer denkt, dass seine Spielfigur dann durch die tolle Rüstung auch toll und stark aussieht, der wird enttäuscht. Euer Charakter verändert dadurch seinen Skin nicht und bleibt immer so langweilig wie zuvor.
Das Skill-System ist auch anders als in den Vorgängern. So findet ihr keine Runen mehr, mit denen ihr eure Fähigkeiten freischalten könnt, sondern müsst diese nach einem abgeschlossenen Level kaufen. Jeder Skill kann dann, beim Erreichen der nötigen Erfahrungsstufe, freigekauft werden. Somit könnt ihr eure Skills entweder aufwerten oder aber gegen andere austauschen.
Hirn aus und totschlagen
Wie auch die Trailer schon gezeigt haben, ist Sacred 3 vor allem auf den Multiplayer-Modus ausgelegt. Eine Story ist eher Nebensache und wird auch nicht wirklich spannend verfolgt. Zwar bietet euch Sacred 3 zwischendrin ein paar Comic-Szenen, die aufgrund der äußerst dämlichen Komik ins Lächerliche gezogen werden, aber ansonsten geht es nur darum, Monster zu schnetzeln. Fairerweise muss man dazu aber sagen, dass es auch bei den Vorgängern um nicht mehr ging, doch dort war man stets auf der Suche nach besserem Loot. Erfreulicherweise funktioniert das Beitreten zu einem Spiel einfach und unkompliziert. Im Menü wählt ihr den passenden Schwierigkeitsgrad aus und tretet einem bestehenden Spiel bei. Möchtet ihr lieber selbst ein Spiel hosten, beginnt ihr eines mit der Option „Öffentlich“ und gebt anderen Spielern die Chance, eurem Spiel beizutreten. Wer lieber alleine Monster schnetzeln möchte, kann dies natürlich auch tun. Am Ende jeder Runde erhalten beide Spieler Punkte und derjenige, der mehr erreicht hat, hat die Runde „gewonnen“. Zwar gibt es dafür keine Belohnung, aber der Spieler kann sich wenigstens darüber freuen…
Grafik und Sound
Wie haben wir es geliebt, durch die schöne und selbst gebaute Welt von Sacred 2 zu streifen. Es gab immer etwas zu entdecken und kein Gebiet glich dem anderen – da steckte Liebe im Detail. Und wer kann sich nicht an den epischen Spruch „Schlagt ihm den Kopf ab, ich brauch ‚n neuen Aschenbecher!“ erinnern? Wer das auch im 3. Teil von Sacred sucht, wird enttäuscht. Hier gibt es, wie bereits erwähnt, nur plumpe und nervende Sprüche, unwitzige Witze und eine Story, die sich selbst nicht ernst nimmt. Auch grafisch kann das Spiel auf der Xbox nicht wirklich überzeugen. Zwar läuft man durch ansprechend modellierte Gegenden, die sich aber ähneln wie ein Ei dem anderen.
Persönliches Fazit
Wo soll ich anfangen? Ich bin mit Sacred am PC aufgewachsen und das Spiel gehörte tatsächlich immer zu meiner Lieblingsreihe. Es war niemals perfekt, ja! Tatsächlich war Sacred immer extrem weit von der Perfektion entfernt, doch hat es trotzdem Spaß gemacht. Mit Sacred 3 zerstört Deep Silver und Keen Games die gesamte Reihe und präsentiert ein auf die Massen ausgelegtes Arcade Geschnetzel. Nicht umsonst hat sich einer der früheren Hauptentwickler und Erfinder von Sacred abgewand und verfolgt nun seine eigenen Ziele. Würde Sacred 3 nicht Sacred heißen, sondern viel mehr sowas wie „Braindeadslasher 1″, dann wäre es durchaus ein annehmbares Actionspiel für zwischendurch, bei dem man mit Freunden mal das Hirn abschalten kann und sogar Spaß haben könnte. Da Sacred 3 aber Sacred heißt, muss es sich mit den Vorgängern messen und hier versagt der Titel auf ganzer Linie. Für mich ist Sacred 3 bereits Mitte des Jahres die Enttäuschung des Jahres. Ähnliche Spiele gibt es bereits auf Tablets und dort kosten sie einen Bruchteil von diesem Titel. Neulinge, denen schnelles Geschnetzel ohne Tiefgang und Sinn gefällt, die können zugreifen. Fans der Serie sollten Abstand nehmen, denn Sacred ist nicht mehr Sacred!
Veränderungen sind schön und gut und ich hätte mir im Vergleich zu den Vorgängern zahlreiche Veränderungen gewünscht. Strategische Kämpfe, ein umfangreicher Skill-Baum und evtl. sogar Berufe hätten Sacred 3 als wahren Nachfolger ausgezeichnet. Doch leider erhaltet ihr nichts davon. Hier haben wir noch einen kleinen Nachtrag zur PC-Version und noch einige Screenshots für euch.
Positiv:
+ schnelles Actionspiel im Koop-Modus
Negativ:
– stereotypische Schlauchlevel
– keine offene Welt
– nervige Sprachausgabe
– Monster lassen keine Items fallen / Keine Item-Jagd
– keine Veränderung der Spielfigur im Aussehen
– langweiliges Button-Smashing
– zu hoher Preis für das Gebotene
– Keine Reittiere
– Kein Sacred!
Euer Hardbloxx-Team
























Also, im Gegensatz zu vielen „Fanboys“ hab ich Sacred 3 gekauft und mir selbst ein Bild gemacht. Das Game wird ohne Grund schlecht gemacht! Warum muss man in einen Game Items finden von denen ich am Ende eh gefühlte 95% am nächsten Händler verkaufe? Dann nehm ich lieber gleich die kohle. Ne, das Sacred 3 anders als der Vorgänger ist finde ich sogar gut, zum Beispiel habe ich den Teil 2 immer noch nicht durch… wer hat schon die Zeit? Aber leider will die masse hält doch immer wieder das gleiche Spiel, nur halt neu verpackt. So wie bei „Call of Langeweile“.
Hi Akira,
vielen Dank für dein Kommentar
Wie ich geschrieben habe, wird es sicherlich eine komplett neue Zielgruppe ansprechen, die auch Spaß dran haben wird. Nur wie auch bei Final Fantasy wird es die Fans enttäuschen.
Stell dir mal folgendes vor:
Du liebst Fleisch aber hasst Fisch.
Nun wird Fleisch in Fisch umbenannt und Fisch in Fleisch. Du kaufst dir nun ein Stück Fleisch, was aber in Wirklichkeit Fisch ist. Wie würdest du das finden?
So in etwa fühlen sich Fans, wenn ihr Spiel komplett umgestaltet wird.
Wie geschrieben: Sacred kann Spaß machen aber nicht unter dem Namen. Zudem bietet es für den Preis einfach zu wenig. Vor allem alle in meinem Alter, die tiefsinnigere Spiele gewohnt sind, werden Probleme mit Sacred 3 haben. Das zeigen zurzeit auch alle Bewertungen in großen Magazinen. Für 50€ bekam man früher Spiele mit mehr als 100 Stunden Spielspaß 😉
Es freut mich aber, dass dir das Spiel gefällt
*konnte man noch nie das Aussehen verändern. (sollte es heissen)
die Positiv und Negativ Punkte lesen sich wie ein hate kommentar…es ist nicht das was ich haben möchte, also ist es schlecht.
DIe Figuren bzw die Ausrüstung ändert sich sehr wohl wenn man höheres lvl in der Ausrüstung hat. Bei DIablo konnte man auch die das Aussehen verändern.
Hi Theblackfrog,
was heißt Hate-Kommentar? Wenn ich den Namen eines großen Spiels vom Vorbesitzer aufkaufe und daran weiterarbeite, dann sollte man den Pfad auch weiterverfolgen. Andererseits hätte man das Spiel anders nennen können. In diesem Fall kommt es so vor, als hätte man Sacred nur zum verkaufen genutzt.
Sacred 3 muss sich mit den Vorgängern messen, wie ich auch geschrieben habe. Bei der Fortsetzung einer Reihe bleibt man sich entweder treu oder macht erst lieber gar nichts. Dass wir nicht allein auf weiter Flu dastehen mit dem Ergebnis, zeigen auch die Bewertungen unserer Kollegen.
Bzgl. der Skins, es ging mir nicht um die Aussehen der Figur, sondern darum, dass eine Figur immer individuell gestaltbar war und das einzig und allein mit Ausrüstung. Die Ausrüstung macht das Aussehen und da sieht auch bei Diablo jeder Spieler anders aus.
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