Test/Testbericht: Wasteland 2

Wasteland-2 - Logo

Als 1988 Wasteland auf den Markt kam, konnte noch niemand ahnen, welche großen Dinge folgen sollten. Damals war es vollkommenes Neuland, ein Rollenspiel in ein postapokalyptisches Setting zu setzen und somit gilt Wasteland als Begründer dieses Sub-Genres. Die Entwickler von Interplay Studios konnten damals wohl noch nicht wissen, dass ihre Idee so große Wellen schlagen wird. Nun erscheint – über 25 Jahre nach dem Release dieses Titels mit Wasteland 2 der direkte Nachfolger, der via Kickstarter finanziert wurde. Wir haben uns das Spiel angeschaut und sagen euch, ob sich die lange Wartezeit gelohnt hat und ob ihr euch den Titel unbedingt holen müsst – oder lieber noch ein paar Jahrzehnte auf Wasteland 3 wartet.

Wasteland-2 (1)
Wasteland-2 (4)

Long Story short

Nachdem das Entwicklerstudio sich von Electronic Arts als Publisher losgesagt hatten, durften sie „Wasteland“ nicht mehr als Markennamen benutzen, wollten sich jedoch weiter in das Sub-Genre wagen. So entwickelten sie einen weiteren Titel in einem postapokalyptischen Setting und nannten diesen kurzerhand „Fallout“ – eine Videospielreihe, die bis heute zu den beliebtesten Rollenspielen gehört. Wasteland 2 setzt jedoch nicht dort an, wo die letzten Fallout-Teile aufgehört haben, sondern möchte sich an den früheren Spielen orientieren. Es wirkt auch eher wie ein Titel aus den 90er Jahren. Das beginnt bereits mit der Story, die einfach typisch für das Genre ist: Ihr seid die neusten Rekruten der Rangers, einer Organisation, die sich in einem postapokalyptischen Nordamerika als eine Art Polizei des neuen Wilden Westens aufspielt und für Recht und Ordnung sorgen möchte. Eure erste Aufgabe ist auch recht einfach, denn ihr sollt dort weitermachen, wo euer einstiger Mit-Ranger gescheitert ist. Dazu müsst ihr lediglich das Sender-System wieder auf Vordermann bringen, die Tagebuchseiten eures verstorbenen Kameraden finden und nebenbei ein paar Outlander erschießen. Klingt ganz einfach, ist es auch. Die Probleme beginnen jedoch direkt im Anschluss, denn über euer Funkgerät bekommt ihr gleich zwei Hilferufe, auf die ihr reagieren müsst: Entweder ihr begebt euch zu einer Siedlung, die bisher die Ranger mit Wasser versorgt hat oder ihr konzentriert euch auf ein wissenschaftliches Farmgelände, das die Ranger mit Essen versorgt.

Welchen Hilferuf ihr auch als erstes folgen werdet, ihr könnt die anderen nicht retten – lediglich hinter ihnen aufräumen und sie rächen, was ja nicht wirklich befriedigend ist. Eure Hauptaufgabe ist jedoch weiterhin, das Satellitennetz wieder online zu bringen. Dazu musstet ihr den beiden Hilferufen folgen, konntet jedoch nur eine Anlage retten, während die andere zerstört wird. Allerdings braucht ihr zwei Anlagen und folgt nun einem Gerücht: Möglicherweise gibt es irgendwo im Osten noch eine weitere Anlage, die ihr reparieren könntet. Dazu müsst ihr jedoch durch ein ehemaliges Gefängnis, das nun von einer euch nicht besonders wohlgesonnen Fraktion geführt wird. So beginnt also eure weite Reise durch das Ödland, auf der ihr immer wieder auf feindliche Fraktionen, hilfesuchende Menschen und wilde Tiere stoßen werdet. Wem ihr helfen wollt, welche Aufgaben ihr neben der Hauptstory löst und wie genau ihr dabei vorgeht, bleibt weitestgehend euch überlassen. Die Geschichte an sich erfindet das Rad nicht neu und ist auch nicht wirklich packend oder emotional, dafür unterhält sie durchaus und passt eben in das postapokalyptische Leben, das eure Charaktere nun führen müssen.

Wasteland-2 (20)
Wasteland-2 (17)

Welches Jahr ist es eigentlich?

Diese Frage werdet ihr euch ganz bestimmt immer wieder stellen, denn obwohl Wasteland 2 in einer nicht näher definierten Zukunft spielt, hat man oftmals das Gefühl, dass das Spiel schon vor 20 Jahren hätte auf den Markt kommen können. Das beginnt mit der Grafik, die mit anderen Vertretern des Strategie-RPG-Genres nicht mithalten kann.Viele Flächen sehen aus wie ein Einheitsmatsch aus Farben, das UI wirkt sehr lieblos und es will einfach keine richtige Atmosphäre aufkommen – was sehr schade ist, denn die Fallout-Reihe lebt ja von genau dieser Atmosphäre. Den Vergleich mit Fallout muss sich Wasteland 2 einfach gefallen lassen, denn die Spiele gehören nicht nur zum gleichen Genre, sondern sind eben auch aus der gleichen Ideenschmiede. So erinnert Wasteland 2 sowohl grafisch, als auch spielerisch sehr stark an Fallout 1 und 2, obwohl natürlich die Grafik mittlerweile etwas angepasst wurde. Doch um das Optimum aus der Wasteland 2 Grafik herauszuholen, muss man tatsächlich jeden zusätzlichen Filter ausschalten und auf Sachen wie Anti-Aliasing und Ähnliches verzichten. Selbst dann sieht der Titel aus wie ein Low-Budget-Remake der alten Fallout-Spiele. Ebenfalls etwas ärgerlich ist, dass ihr zwar in der Lage seid, die Kamera jederzeit um 360 Grad zu drehen, doch mit Fog-of-War und den sich stark überlappenden Texturen überseht ihr ganz gerne mal eine Falle.

Wie gesagt, gibt es auch große Parallelen in den spielerischen Aspekten. Das beginnt mit der Charakter-Erstellung zum Beginn des Spiels, denn ihr habt eine große Auswahl an möglichen Skills und Attributen. Ist es euer erster Durchgang von Wasteland 2, dann habt ihr mit Sicherheit keine Idee, was ihr sinnvollerweise für eure Charaktere – von denen ihr vier Stück in eure Startpartie einladen könnt – wählen sollt. Allein bei euren offensiven Fähigkeiten könnt ihr zwischen Sniper-Waffen, Shotguns, Pistolen, Jagdgewehren, Energiewaffen, Klingenwaffen, stumpfen Waffen und Faustkampf wählen. Dazu kommt noch eine ganze Reihe von Fähigkeiten, die euch außerhalb des Kampfes helfen, wie zum Beispiel Computerwissenschaft, Schlösser knacken, Tresore öffnen und Fallen entschärfen. Welche Fähigkeiten ihr jedoch später im Spiel tatsächlich brauchen werdet und welche eher zweitrangig sind, wisst ihr zu Beginn – und um ehrlich zu sein, auch nach einigen Stunden Spielzeit – nicht wirklich. Ein Tipp: Wählt auf jeden Fall einen Charakter, der Erste Hilfe beherrscht, denn es gibt nur sehr wenige Möglichkeiten, euch in Wasteland 2 zu heilen. Dafür müsst ihr nämlich entweder Items benutzen, die nur ein Charakter mit Erste Hilfe verwenden kann, ein Level-Up erreichen, einen der rar gesäten Doktoren finden oder auf der Weltkarte umherlaufen. Letzteres hat den Nachteil, dass ihr immer wieder auf zufällige Gegner trefft, die euch Schaden zufügen. Sollte mal ein Charakter keine Lebenspunkte haben, besteht oftmals noch die Möglichkeit, ihn mit der Fähigkeit „Chirurg“ wieder zum Leben zu erwecken.

Wasteland-2 (16)
Wasteland-2 (22)

Für das Überleben kämpfen

Das Kampfsystem erinnert ebenfalls sehr stark an Wasteland 1 und die ersten Fallout-Spiele. Sobald der Kampf beginnt, erscheint ein Raster-Feld mit Vierecken, auf dem ihr euch neben euren Gegner bewegt. Pro Runde habt ihr – abhängig von euren Attributen – eine bestimmte Anzahl an Aktionspunkte (AP), die ihr für verschiedene Aktionen ausgeben könnt. Je nach benutzter Waffe, könnt ihr nur einmal oder eben mehrmals angreifen, müsst jedoch bei Pistolen und Gewehren nach einigen Schüssen nachladen. Als zusätzliche taktische Komponente habt ihr Trefferchancen, die davon abhängig sind, welches Skilllevel ihr in euer Waffe erreicht habt, welche Trefferchance eure Waffe allgemein hat und wie die Attribute eurer Gegner dazu stehen. Auch hier solltet ihr euch bei der Charakterentwicklung überlegen, welcher Charakter mit welcher Waffe in den Kampf ziehen soll. Denn Munition ist knapp und es ist nicht sinnvoll, wenn viele Charaktere mit der gleichen Waffengattung kämpfen sollen. Schrotflinten und Handfeuerwaffen sind eher für mittlere Distanz geeignet, Jagdgewehre funktionieren nur von weiter weg. Sollte ein Charakter eher mit Keule und Schlagring in den Kampf ziehen, so ist es sinnvoll, ihm einige Lebenspunkte mehr zu gönnen, als dies zum Beispiel bei eurem Scharfschützen von Nöten ist. In den Schlachten selbst habt ihr nicht allzu viele taktische Möglichkeiten: Ab und zu gibt es etwas Deckung in Form einer Häuserecke oder einer halbhohen Mauer. Darüber hinaus könnt ihr euch für höhere Chancen zum Ausweichen und Treffen hinknien, seid jedoch bei der Bewegung auf dem Schlachtfeld behindert. Zwar habt ihr schon zu Beginn der Spieles die Möglichkeit, einen Kopfschuss auszuwählen, doch sind die Trefferchancen so marginal, dass diese Option erst später im Spiel überhaupt relevant wird. Sollte mal ein Kampf zu schwer werden, habt ihr die Möglichkeit, den Schwierigkeitsgrad herunterzustellen, wodurch sich die Zahlen stark zu euren Gunsten verändern und ihr mehr Schaden austeilt, weniger einsteckt und öfter trefft.

Wasteland-2 (9)
Wasteland-2 (26)

Persönliches Fazit

Ich war ehrlich ein wenig aufgeregt, als es hieß, dass Wasteland 2 entwickelt wird. Fast drei Millionen US-Dollar haben die Jungs und Mädels von inXile bei Kickstarter sammeln können. Großes wurde erwartet. Bekommen haben wir ein Spiel, das keinesfalls schlecht ist und mit 50 Stunden für das erste Durchspielen eine ordentliche Spielzeit liefert. Außerdem habt ihr oftmals verschiedene Lösungsansätze und könnt einem NPC drohen, ihm schmeicheln oder ihr seid einfach schlauer als sie – so oder so kommt ihr an eure Information. Oftmals könnt ihr euch auch entscheiden, eine Tür einfach einzutreten und sie nicht per Dietrich zu knacken. Diese kleinen Freiheiten sind zwar ganz cool, doch täuschen sie nicht darüber hinweg, dass Wasteland 2 so oder ähnlich bereits vor 20 Jahren auf den Markt hätte kommen können. Dann wäre es mit Fallout 1 und 2 in guter Gesellschaft gewesen und wäre heute bestimmt genauso gehypt, wie diese Titel. Für die heutige Zeit ist es kein schlechtes Spiel, aber trotzdem fehlt das gewisse Etwas. Wasteland 2 ist nun einfach nur noch Durchschnitt, was sehr schade ist, denn man hätte wesentlich mehr machen können. Trotzdem macht es Spaß, sodass Rollenspielfans durchaus zugreifen sollten – und sei es nur aus dem Grund, dass sie die Nostalgie von früheren Spielen noch einmal erleben wollen.

Positiv:
+ über 50 Stunden Spielzeit
+ viele Skills
+ unterschiedliche Gegnertypen
+ Boss-Fights machen Spaß
+ guter Humor in den Dialogen
+ viele Waffen
Negativ:
– veralterte Grafik
– zu wenig taktische Tiefe
– zu wenig Möglichkeiten zum Heilen
– mitunter frustrierendes Kampfsystem

Wenn ihr möchtet, dann holt euch doch Wasteland 2 bei Amazon und unterstützt uns damit. Preise könnt ihr hier vergleichen.

Euer Hardbloxx-Team
Test erstellt von Hardbloxx.Fefestars

Felix Rau

Veröffentlicht von

Als Chefredakteur kümmert sich Felix nicht nur um tägliche News und Tests aus dem Bereich Hardware und Videospiele, sondern kümmert sich um alles, was so anfällt. In seiner Freizeit spielt er gerne Rollen- und Action-Spiele, ist aber auch mit MOBAs, Shootern und Sportspielen vertraut. PC und PS4 sind derzeit die bevorzugten Plattformen, doch letztendlich kommt es nicht darauf an, worauf man spielt, sondern wie.

Kommentar verfassen