Need For Speed [PS4] im Test

Manche Spielereihen gehören einfach zum (fast) jährlichen Aufgebot der Branche dazu und so haben wir auch dieses Jahr wieder ein Titel aus der Reihe Need For Speed erwartet – und wurden nicht enttäuscht. Also letztendlich wurden wir schon enttäuscht, doch dazu später mehr. Mit Need For Speed erscheint dieses Jahr ein Ableger, der zumindest im Vorfeld sehr gehyped wurde, denn eine wunderbare Grafik, schnelle Drift-Szenen und eine große Anzahl an modifizierbaren Autoteilen sollten der Serie neuen Schwung verleihen und wieder einmal alle Autofans vor dem Bildschirm vereinen. Leider hat das nicht geklappt und so sei bereits hier verraten: Wir hatten uns wesentlich mehr von dem Spiel erhofft. Weiteres erfahrt ihr nun in unserem Test.

Das übliche Verfahren

Die Story von Need For Speed hat noch niemals durch ein überzeugendes Drehbuch Preise gewonnen und auch bei dem aktuellen Vertreter hat sich der Entwickler Ghost Games nicht die größte Mühe gegeben: Ein junger und sehr talentierter Rennfahrer zieht in eine neue Stadt und beginnt dann dort die Tuning-Szene aufzumischen, indem er zum besten Underground-Racer überhaupt wird. Kommt euch bekannt vor? Das mag daran liegen, dass dies die Geschichte von gefühlt jedem Need For Speed – Spiel darstellt – letztendlich muss man diese Vorgehensweise nicht wirklich kritisieren, denn die Geschichte stört ja nicht. Aber es ist durchaus etwas verwirrend, dass ein Racing-Spiel auch nach über zehn Jahren immer noch auf die immer selbe Story-Line setzt. Hätten die Entwickler die Geschichte weggelassen, wäre es wohl niemanden negativ aufgefallen. Stattdessen darf man sich über Zwischensequenzen freuen, in denen zum Beispiel neue Freunde, Crew-Mitglieder oder Rivalen vorgestellt werden. Die Bilder sind schön, die Dialoge leicht peinlich und so werdet ihr nach den ersten zwei oder drei Clips weitere Sequenzen einfach überspringen.

Gebt ihr euch jedoch die Zwischensequenzen, so könnt ihr in den kleinen Realfilm-Szenen auf einige der schlimmsten Klischees der Underground-Szene treffen: So ist zum Beispiel die klassische Mechanikerin vorhanden, die sich sehr tough gibt und ständig Kaugummi kaut. Ein extrem überdrehter Hipster ist genauso mit von der Party wie auch der symbolisch-coole Schwarze und die süße Blonde, die bereits beim ersten Treffen mit „zukünftige Freundin“ gelabelt wird.

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Langeweile und fehlende Renngemeinschaft

Glücklicherweise steht in dem Rennspiel vor allem das Fahren von Rennen im Vordergrund. So könnt ihr euch auf die klassischen Modi freuen, die ihr so oder ähnlich bereits aus den Vorgängern kennt: Das normale Rundenrennen ist ebenso vorhanden wie auch die beliebten Sprintrennen, das Zeitfahren von Punkt A nach Punkt B und die typischen Driftwettbewerbe. Recht lustig ist zudem „Gymkhana“ – eine Mischung aus Zeitfahren und den Drift-Events. Allerdings fehlt irgendwie die Abwechselung innerhalb der verschiedenen Renntypen und wer sich zum Beispiel ein Viertelmeilerennen wünscht, bei dem ihr wie früher den richtigen Schaltpunkt treffen müsst, der wird enttäuscht werden. Das Fehlen von Varianz ist ein grundsätzliches Problem, das in Need For Speed vorherrscht, denn wäre etwas mehr Spritzigkeit und Abwechslung vorhanden, so hätten wir viel mehr Spaß beim Rennfahren verbringen können – so sind wir nach kürzester Zeit gelangweilt.

Heutzutage sind Rennspiele fast ausschließlich auf den Multiplayer ausgerichtet – was auch absolut in Ordnung geht. Schließlich macht das Rennen mit und gegen Freunde und Fremde absolut Spaß. Natürlich lassen sich Electronic Arts und Ghost Games mit ihrem neuesten Renntitel ebenfalls nicht von dieser Schiene abbringen und so setzt der Titel eine ständige Internetverbindung voraus: So könnt ihr zum Beispiel in Ventura Bay auf andere Spieler treffen, die ihr direkt herausfordert oder in eure Crew aufnehmt. Das ist zwar durchaus unterhaltsam, wirkt sich allerdings nicht wirklich auf das Erlebnis beim Spielen aus: Aktuelle Rennspiele haben schon gezeigt, wie viel Spaß Crew-Herausforderungen oder ein gemeinsames Rennen machen kann, allerdings fehlen diese Komponenten leider komplett. Immerhin wurde bereits angekündigt, dass sämtliche Downloadinhalte in der Zukunft kostenlos für alle Spieler abrufbar sein werden.

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Gegen die Wand gefahren

Während man sich über die langweilige Story oder fehlende Abwechslung durchaus streiten kann ist doch ein Problem nicht schön zu reden: Die künstliche Intelligenz ist einfach sehr schlecht geraten und verdirbt jeglichen Spielspaß. Wahrscheinlich ist dies während er Entwicklung bereits aufgefallen, denn glücklicherweise müsst ihr nicht allzu oft gegen die KI antreten – in vielen Fällen dürft ihr lediglich gegen einen Highscore oder die Zeit fahren. Müsst ihr jedoch doch einmal gegen die computergesteuerten Gegner fahren, so merkt ihr bereits nach wenigen Minuten, dass die KI noch schlechter als in den letzten Jahren ist. So gehört es eigentlich schon seit über einem Jahrzehnt zum guten Ton, dass das Fahrerfeld künstlich zusammengehalten wird, doch im neuesten Teil wird diese Methode noch einmal komplett übertroffen, denn nicht selten kommt es vor, dass ihr fast bei Höchstgeschwindigkeit kinderleicht überholt werdet – nur damit dieser Gegner kurz vor dem Ziel stehen bleibt und euch vorbei lässt. Mag sein, dass dies auch in den früheren Teilen bereits ein Teil der KI war, doch im aktuellen Need For Speed Titel wird dies so offensichtlich, dass der Spielspaß darunter leidet.

Doch selbst wenn dieses Phänomen nicht vorhanden wäre, gäbe es genügend Situationen, in denen man einfach nur dem Kopf schütteln kann. Nicht selten sorgt zum Beispiel der Gegenverkehr für brutale Unfälle und Massenkarambolagen, die selbst der TV-Serie „Alarm für Cobra 11“ Konkurrenz machen. Noch etwas verrückter wird das Ganze, wenn die Gegner tatsächlich einfach an Häuserwänden und -ecken hängen bleiben und ganz offensichtlich einen Totalschaden haben – nur um dann wenige Sekunden später wieder zum Überholvorgang anzusetzen. Das sorgt dafür, dass ihr nicht selten sehr frustriert seid und einfach den Controller in die Ecke werfen möchtet.

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Tuning von alten und neuen Karren

Wer sich im Vorfeld mit der Berichterstattung vor dem Release beschäftigt hat, der wird genauso wie wir den Eindruck bekommen haben, dass Need For Speed eine unglaubliche Vielzahl an unterschiedlichen Tuning-Möglichkeiten haben wird. Habt ihr diesen Eindruck bekommen, so wurdet ihr allerdings genauso wie wir verladen, denn die Anzahl der zusätzlichen Teile sind sehr begrenzt. In den meisten Fällen dürft ihr nur zwischen ein paar wenigen Zusatzteilen auswählen oder könnt lediglich feste Bodykits auswählen, mit denen dann die Rennfahrzeuge aufgemotzt werden. Immerhin habt ihr eine etwas größere Auswahl, sobald es darum geht den Motor aufzubessern, allerdings beschränkt sich diese Auswahl im Regelfall lediglich auf die Teile, die auch wirklich eure Leistung verstärken werden. Ihr schaltet die neuen Teile übrigens einfach durch das Fahren frei und bekommt in den meisten Fällen so viel Preisgeld, dass ihr euch immer alles leisten könnt und dürft.

Immerhin der Fuhrpark weiß zu überzeugen, auch wenn er wesentlich kleiner als bei den aktuellen Konkurrenten ausfällt. So dürft ihr euch zum Beispiel über einen Golf 1 GTI freuen, den ihr dann innerhalb der begrenzten Möglichkeiten euren Wünschen anpassen könnt. Aber auch der klassische Porsche 911 oder ein BMW M3 sind zu finden und können nach Lust und Laune angepasst werden. In der Oberklasse könnt ihr dann zum Beispiel die Klassiker Lamborghini Diablo oder den Ferrari F40 finden, die ordentlich PS unter der Haube haben und absolute Need For Speed – Ikonen sind.

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Persönliches Fazit

Need For Speed als „schlechtes Spiel“ zu bezeichnen, wäre wohl zu weit gegriffen, denn tatsächlich gibt es auch einige Teilbereiche, die echt überzeugend sind und Spaß machen: Vor allem die Grafik weiß zu überzeugen und ist nicht nur sehr flüssig, sondern setzt die Rennwagen in ein gutes Licht. Die Drift-Events machen ebenfalls Spaß und solange ihr euch nicht mit der KI auseinander setzen müsst, dürft ihr euch über durchaus gelungenes Rennvergnügen freuen, das jedoch unter fehlender Abwechslung leidet. Wirklich enttäuschend ist neben der künstlichen Intelligenz vor allem die im Vorfeld angepriesene Tuning-Werkstatt, denn wir hatten mit wesentlich mehr Möglichkeiten gerechnet. Auch der Multiplayer überzeugt nicht wirklich und ist in der heutigen Zeit einfach nicht mehr modern. Letztendlich richtet sich Need For Speed eher an Casual-Spieler, die nur einige Stunden vor dem Bildschirm verbringen möchten – Race-Enthusiasten sollten hingegen lieber zur Konkurrenz greifen, denn die ist einfach um Meilen besser.

Need For Speed

Need For Speed
71.7
71.666666666667

Gameplay

58 / 100

Die KI ist grottenschlecht und es fehlt einfach die Abwechslung.

    Story

    61 / 100

    Weder originell noch unterhaltsam - hätte auch komplett weggelassen werden können.

      Grafik

      82 / 100

      Absolut in Ordnung, auch wenn gerade Nachts alles etwas zu Grau wirkt.

        Sound

        85 / 100

        Die Geräuschkulisse ist echt super gelungen und bietet das, was von einem Rennspiel erwartet wird.

          Umfang

          78 / 100

          Vor allem im Bereich des Tunings wäre wesentlich mehr möglich gewesen.

            Spielspaß

            66 / 100

            Leider zu viele Segmente, die den Spielspaß trüben und so einfach nicht mehr modern sind.

              Positiv

              • - Ordentliche Grafikleistung
              • - Fuhrpark recht umfangreich
              • - Drift-Events machen viel Spaß

              Negativ

              • - Schlechte KI
              • - Zu wenig Abwechslung
              • - Tuning bietet immer nur eine handvoll Änderungen

              Wenn ihr wissen wollt, wie Hardbloxx.de Spiele bewertet, dann seht euch diese Seite an.

              Euer Fefe

              Kategorie 2 Spieletests, 2.6 Playstation 4, 2.6.3 Strategie & Simulation
              Felix Rau

              Als Chefredakteur kümmert sich Felix nicht nur um tägliche News und Tests aus dem Bereich Hardware und Videospiele, sondern kümmert sich um alles, was so anfällt. In seiner Freizeit spielt er gerne Rollen- und Action-Spiele, ist aber auch mit MOBAs, Shootern und Sportspielen vertraut. PC und PS4 sind derzeit die bevorzugten Plattformen, doch letztendlich kommt es nicht darauf an, worauf man spielt, sondern wie.

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