Kategorie: 2.3.2 Rollenspiele

Test / Testbericht: Assassin’s Creed 3 (Xbox360)

Trotz fiktiver Geschichte, wenn auch durchaus mit Wahrheiten vermengt, ist das Spiel unverkennbar ein Assassin’s Creed. Auch trotz des komplett neuen Szenarios – in der Hauptsache die Zeit des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs – und trotz des neuen Helden, dem Halbindianer „Connor“, welcher eine tragende Rolle in dieser Version der „Geschichte nach wahren Begebenheiten“ spielt, schafft es Ubisoft einmal mehr zu faszinieren. Auch wenn sie im eigentlichen Sinne auch wenig mit der wahren Geschichte von Amerika zu tun hat, aber das will das Spiel ja auch gar nicht erreichen.

Es steht die Spannung und Unterhaltung an erster Stelle – und diese kommt fast ohne Abstriche auf!

Fällt sofort positiv auf

Grafisch macht das Spiel sehr viel her. Ein äußerst hoher Detailgrad verbunden mit hervorragender Be- und Ausleuchtung, sowie einer hohen Vegetationsdichte in den Wildnis-Arealen runden, in Verbindung mit den umfangreichen und sehr flüssigen Charakteranimationen, das Gesamtbild hervorragend ab. Sei dies nun während des Spielens oder in den gewohnt guten Zwischensequenzen. Untermalt wird dies einerseits noch von einer äußerst ansprechenden und leichtgängigen Steuerung, andererseits von einer imposanten musikalischen Untermalung sowie hervorragender deutscher Vertonung mit hochkarätigen Stimmen (darunter beispielsweise einige deutsche Synchronsprecher von namhaften Hollywood-Stars wie Morgan Freeman!)

Zu Beginn heißt es jedoch erst einmal: Warten auf den neuen Helden!

Bis wir mit dem frischen Blut, Connor, in der Saga losziehen dürfen, dauert es eine ganze Weile. Zunächst einmal schlüpfen wir in die Rolle seines Vaters Haytham Kenway und dürfen uns schon einmal über nicht gerade wenige Stunden an die Spielmechaniken und das Kampfsystem durch die ersten kleinen Missionen herantasten. Darüber hinaus lernen wir auch einiges über die Geschichte, die Personen, die Beweggründe und dürfen die Gegend erkunden.

Doch welche Rolle spielt dieser Haytham Kenway in dieser Geschichte? Nun, man nehme einfach ein mysteriöses Amulett, das irgendwie mit den Templern und Assassinen zu tun hat und zieht damit los, um seine Geheimnisse zu ergründen. Ganz nebenbei rettet man noch ganz nach James Bond Manier während seiner Mission eine schöne exotische Frau, in diesem Falle die Indianer-Squaw Kaniehtí:io („Gesundheit!“), welche sich natürlich alsbald auch mit einem Schäferstündchen erkenntlich zeigt. Man erahnt es vielleicht schon, aus dieser Liebschaft entspringt unser Held: Connor.

Eine interessante Note und jede Menge Stoff für den Plot bringt jedoch vielmehr die Tatsache, dass Haytham dem Templer-Orden angehört. Nun aber genug gespoilert!

Dennoch liegt genau hier ein wichtiger Punkt und ein wichtiges Element des Spiels, warum man zunächst so viel Zeit mit anderen Figuren verbringt: Hintergründe sehen, Verbindungen erkennen, Zusammenhänge verstehen. Ubisoft verwendet hier im Gegensatz zu den Vorgänger-Titeln sehr viel Zeit damit, den Spieler an die Akteure heranzubringen und ihn so an die Geschichte zu fesseln – aus meiner Sicht mit vollem Erfolg!
Einziger Wermutstropfen bildet die Tatsache, dass, bei aller Zuneigung zu den früheren Geschehnissen, einmal mehr die Geschichte rund um Desmond Miles (den Nachfahren von Altaïr, Ezio und Connor) eher auf der Strecke bleibt.

Hat man diesen Einführungsteil jedoch hinter sich gebracht, geht es eigentlich Schlag auf Schlag mit dem vielversprechenden neuen Helden zur Sache.

Never change a running system!

Auf den ersten Blick hat sich spielerisch nicht viel getan. Man kann so ziemlich alles, bei dem sich einem auch nur irgendetwas zum Festhalten bietet, erklimmen, man belauscht, man meuchelt.

Langweilig? Keineswegs! Die Vorgänger haben bereits bewiesen, dass dieses System funktioniert und Ubisoft hat das bewährte und abermals sehr motivierende Spielprinzip mit vielen neuen Ideen lediglich aufgefrischt und verbessert. So besticht man Stadtschreier, reißt Fahndungsplakate ab, demoralisiert die Feinde durch Sprengungen und das Einfahren gehisster Flaggen, um im gleichen Zuge deren Anzahl beziehungsweise Nachschub zu verringern oder macht sich einfach aus dem Staub und taucht in der großen Wildnis ab – ein abwechslungsreiches und tolles System!

Volle Breitseite Geschichte

Ubisoft bettet seinen Helden sehr gelungen in das neue Szenario rund um den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, trägt so auch noch zum Geschichtsunterricht bei und beschert so jede Menge Aha-Momente. Zumal man bei so ziemlich allem und jedem sofort einen neuen Eintrag zum Schmökern in seinem Lexikon bekommt.

Wenn auch mit Sicherheit sehr viel frei erfunden ist, beziehungsweise viel frei interpretiert wurde, so schneidet man dennoch viele tatsächlich stattgefundene Ereignisse an. Man trägt mit dem historischen US-Helden Paul Revere dazu bei, die belagerten Siedlungen Lexington und Concord vor den Angriffen der Rotröcke zu warnen, man wirft bei der berühmten Boston Tea Party Kisten der East India Trading Company über Bord, man ist bei der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung dabei und so weiter. Auch sonst fesselt Assassin’s Creed 3 den Spieler mit den Schlachten, Geschehnissen und Missionen rund um den Unabhängigkeitskrieg wesentlich intensiver als seine Vorgänger. Sei dies nun ganz aktiv nach dem Motto mitten drin, statt nur dabei oder eher passiv, dadurch dass man seinen Begleitern Befehle zum Angriff erteilt und diese für einen mehr oder weniger den Rest erledigen.

So schafft Ubisoft eine Atmosphäre, welche den Spieler den geschichtsträchtigen Krieg zwischen den Engländern und Patrioten regelrecht spüren lässt – sehr beeindruckend!

Große Städte, noch größere Wildnis

Die beiden beeindruckenden und großen Städte Boston und New York, in welchen ein Großteil der Handlungen stattfinden, werden durch eine noch viel größere Wildnis miteinander verbunden. In dieser finden zwar weniger Handlungen der Hauptmission, dafür aber die meisten Nebenmissionen statt. Um den unwegsamen und sich teils frustrierend lange schlängelnden Pfaden am Boden zu entgehen, ist es einem in Assassin’s Creed 3 wohl durch den Einfluss der Indianer auch möglich, sich äußerst schnell von Baum zu Baum hoch über dem Boden zu bewegen. So lassen sich die langen Strecken wesentlich schneller zurücklegen, wenn man erst mal den Aufstieg gefunden hat. Dafür ist man vor allem in Gebieten mit viel Schnee dankbar, denn dieser bremst einen nebst den langen Wegen nur noch mehr. Einen weiteren Augenschmaus durch das Waten im Schnee bietet jedoch die Umsetzung der Bewegungsabläufe durch dieses, aber auch anderes schwieriges Gelände. Nahezu jeder Schritt und jede damit verbundene Körperbewegung passt sich nahezu individuell jedem Untergrund und jeder Schrittgröße an – beeindruckend!

Natürlich dürfen an so einem dafür prädestinierten Schauplatz die aus den Vorgängern bekannten Adlerfedern nicht fehlen, die überall in der Wildnis, nebst vielerlei anderen Dingen, versteckt sind. Hier gibt es jedenfalls wirklich jede Menge zu sehen und zu erleben.

Assassin’s Creed nicht nur zu Lande und „in der Luft“, sondern diesmal auch zu Wasser

Erstmals in der Assassin’s Creed Reihe hat man auch die Möglichkeit sich an das Steuer von Schiffen zu begeben und auch das ein oder andere Scharmützel zu Wasser auszutragen. Natürlich ist die Wasserwelt bei weitem nicht so weitläufig wie die zu Lande, doch hat Ubisoft hier ganze Arbeit geleistet. Wind und Wasserströmung erschweren das Manövrieren, halbes oder volles Segel tragen ebenfalls unterschiedlich ihren Teil dazu. Man kann mit den großen Kanonen anderen Schiffen eine volle Breitseite verpassen, wenn man auch die Flugzeit der Kugel während der Fahrt richtig berücksichtigt oder verpasst dem anderen Schiff mit kleinen, beweglicheren Geschützen gezielt einen Schuss in das Schwarzpulver-Lager, woraufhin dieses sich mit einem großen Knall verabschiedet.
Auch dieser Teil von Neuerungen bringt ein weiteres, sehr gut umgesetztes Stück Abwechslung und frischen Wind mit sich – toll!

Der Einfluss der Indianer – die Jagd in Assassin’s Creed 3

Knapp bei Kasse? Kein Problem! Einerseits steht euch als verstohlener Assassine natürlich der übliche Taschendiebstahl zur Verfügung, um euer Münzsäckchen zu füllen. Andererseits könnt ihr euch – als erfahrener Jäger – nun auch in die Wildnis aufmachen und allerlei Getier erlegen, um Pelze, Zähne, Krallen, Pfoten und vielerlei anderer Dinge beim nächsten Händler in Bares zu verwandeln. Ob nun mit Pfeil und Bogen, eurem Tomahawk, Fallen, mit oder ohne Köder oder natürlich den versteckten Klingen. Es ist euch dabei auch überlassen, ob ihr euch aus dem Gebüsch oder von oben herab auf eure Beute stürzt oder ihr im Sprint zufällig auf ein euren Weg kreuzendes Tier trefft, welches nicht schnell genug reagiert. Hier hat sich Ubisoft nicht lumpen lassen – Spielspaß pur! Wenn auch sehr zum Ärger von Tierschützern.

Der Teufel steckt im Detail

Bei all dem Lob und den guten Umsetzungen kommt aber auch Assassin’s Creed 3 leider nicht ohne Bugs und Mängel daher.
Bereits nach kurzer Zeit negativ aufgefallen sind, zumindest bei der Xbox 360 Version, die recht häufig auftretenden Ladezeiten (trotz Installation auf die Festplatte) in Kombination mit einem äußerst penetrant grellen, weißen Ladebildschirm für manchmal wahrlich lächerlich kurze Zwischensequenzen. Es wird nur ein kurzer Satz gesagt, ehe es – gefolgt von einem weiteren Ladebildschirm – wieder weiter geht, manchmal auch, um ein paar Schritte später in eine weitere Sequenz zu stolpern. Manchmal sehr nervtötend!

Unglücklich verlaufen oftmals auch die Cut-Szenen zwischen Spiel und Videosequenz, wenn man beispielsweise zum Zielort reitet und in der Sequenz plötzlich nur zu Fuß unterwegs ist, man eine Zielperson bereits zuvor mit einer definitiv tödlichen Attacke schon in die ewigen Jagdgründe geschickt hat, in der Videosequenz jedoch noch ein paar letzte Worte austauscht und dergleichen.

Sehr interessant mag es auch erscheinen, dass es niemanden wirklich stört, als man sich als Halbindianer eine neue Identität zulegt, aber erst einmal trotzdem noch in der Stammeskluft herumläuft. Ebenso wie es einem komisch vorkommen mag, dass es niemanden so recht interessiert, dass man in einer Assassinenkluft herumläuft, beispielsweise auch unter Templern oder Eingeweihten. Nebst diesen gibt es noch so einige ähnliche Szenen, bei denen man die Stirn nachdenklich und verwundert in Falten wirft.

Auch kommt Assassin’s Creed 3 nicht um den Klassiker der Fehler oder störenden Auffälligkeiten herum: die Lippensynchronisation in Kombination mit der deutschen Sprachausgabe. Häufig bewegt sich noch das ein oder andere Mundwerk, obwohl der Ton schon längst fertig ist oder es läuft anders herum. Schade!

Nebst diesen Dingen plagen das Spiel aber auch viele andere Kleinigkeiten, wie manchmal in der Umgebung festhängende Wildtiere, sich im Kreis drehende Personen, halb in irgendeiner Textur verschwundene Opfer oder eine Kampfszene, bei der zwischen Connor und dem Opfer gut ein bis zwei Meter Luftlinie liegen und beide wohl in höchster schauspielerischer Kunst umherwirbeln. Der Teufel steckt eben auch hier im Detail!

Alles in allem aber meist nur Kleinigkeiten, die dem grandiosen Spielspaß keinen Abbruch tun, dafür begeistert das Spiel viel zu sehr.

Mangelndes Gleichgewicht: Kämpfe zu einfach – anderes manchmal zu schwer

Ubisoft scheint dem Sorgenkind der KI der Gegner noch immer nicht Herr geworden zu sein. Noch immer ist es ein Leichtes, selbst gegen die größten Horden von Gegnern anzukommen, da es noch immer nur wenige Tastendrücke braucht, um alle um einen herum zum Erliegen zu bringen. Zwar machen sie rein optisch vom Zuschauen eines her und man möchte am liebsten selbst mit dem Trainieren von Kampftechniken beginnen, doch beim Spielen an sich kommt in den Kämpfen schnell etwas Langeweile auf. Zwar wurde hier und da an ein paar Schrauben vorsichtig und mit größter Behutsamkeit gedreht und man muss nun einen Tick schneller den richtigen Knopf drücken oder ab und an aufpassen, ob man nun dem Normalo-Gegner gegenübersteht oder es doch ein etwas erprobterer Bursche ist (was einem vielleicht 2-3 Knopfdrücke und einen 5 Sekunden längeren Kampf bescheren mag), aber hier ist noch Nachholbedarf.

Ein ganz anderes Bild liefern dagegen dann die Geschehnisse fernab der Massenschlägereien. So besitzen die meisten Missionen optionale Ziele, welche es deutlich mehr – teilweise bis hin zur Frustration – in sich haben können. Beispielsweise muss man sehr knapp bemessene Zeitlimits einhalten, vollkommen ungesehen durch ein gegnerisches Camp randvoll mit Wachen schleichen oder eine Person vor dem Ertrinken aus einem reißenden Fluss retten, ohne dabei mit dem Wasser in Berührung zu kommen – da könnte bei so manchem der Controller das Fliegen lernen.

Zusammenfassung / Fazit

Die Haupthandlung bringt schon sehr viel Spannung mit sich und zieht einen in ihren Bann, doch es sind auch vielmehr die zahlreichen Nebenmissionen und die optionalen Missionsziele, welche dem Spiel einen noch größeren Reiz verpassen. Darüber hinaus ist es ohnehin schon vom ersten Moment an durch die imposante Grafik und die Aufmachung beziehungsweise Darbietung der Story sowie der Einführung in die verschiedenen Charaktere überzeugend.
Die vielen neuen Ideen sorgen für frischen Wind in dem altbekannten, aber bewährten Spielsystem und veredeln den Assassin’s Creed 3 wohl zum bislang besten Teil der Serie – „Never change a running system!“ eben. Und bis man alles im Spiel gesehen hat und jeden Erfolg errungen hat, wird sehr, sehr, sehr viel Zeit vergehen. Klare Kaufempfehlung!

Apropos Erfolge: Für Gamerscore Jäger auf der Xbox 360 gibt es hier mit 50 Erfolgen (45 Offline-Erfolge und 5 Online-Erfolge) 1000 Punkte zu erbeuten. Sehr viele davon erhält man automatisch beim Durchspielen durch das Beenden einzelner Abschnitte, andere erringt man ganz nebenbei durch das gewöhnliche Spielen und was einem dabei so passieren mag und manche sind etwas knifflig und zeitaufwendig. Aber wäre ja auch langweilig, wenn alles einfach wäre.

Der Bericht bezieht sich rein auf den Singleplayer Modus des Spiels.

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Euer Hardbloxx-Team
Testbericht erstellt von MisterGentleman

Test / Testbericht: Of Orcs And Men

„Zieht los, tötet ihren Anführer, sprengt damit die Verhandlungen der Feinde untereinander, welche unser aller Zukunft besiegeln würde und rettet damit eure Familie, eure Freunde, euer ganzes Volk!“

So oder so ähnlich klingt der Auftrag in dem neuen Spiel aus dem Hause Cyanide Studios. Also poliert die Rüstung, schärft die Waffen und zieht los gegen die üble Horde von… nun, gegen wen geht es diesmal? Einmal mehr blutrünstige Orks, wie der Titel vielleicht schon vermuten lässt? Weit gefehlt, denn in „Of Orcs and Men“ wird eine ganz andere Geschichte erzählt.

Die unterdrückten und geschwächten Reste der letzten Ork-Stämme stehen ihrer Auslöschung nahe, denn der Imperator der Menschen steht in Verhandlungen mit den Elfen und Zwergen, um das Schicksal der Grünhäute endgültig zu besiegeln. In die Ecke gedrängt durch eine riesige Mauer der Menschen, schickt der Anführer der legendären Blutkiefer die Besten seiner Orks auf die Mission, diese Verhandlungen um jeden Preis nicht zu einem Abschluss kommen zu lassen und den Imperator zu töten.

Allein diese Story aus Sicht der Grünhäute mitzuerleben, bietet schon genug Stoff, um ein episches Rollenspiel zu erschaffen.

Ihr schlüpft in die Rolle des Orks Arkail, allgemein auch bekannt unter dem sympathischen Pseudonym „der Schlächter“. Arkail zieht aber nicht allein los, denn einem Ork ganz allein und ohne Beziehungen wäre es unmöglich die Mauer der Menschen zu überwinden, daher habt ihr den gewitzten und verstohlenen Goblin Styx an eurer Seite, welcher euch helfen soll, auf die andere Seite der Mauer zu kommen. Zwischen den beiden Hauptakteuren könnt ihr per Tastendruck hin- und herwechseln.

Ein Team, welches also ungleicher nicht sein könnte. Auf der einen Seite eine Kampfmaschine von einem Ork, welchem öfter mal die Sicherung durchbrennt und er dabei selbst nicht vor Styx Halt macht. Auf der anderen Seite ein hinterlistiger, meuchelnder und gerissener Goblin, welcher trotz seiner Größe kein Blatt vor den Mund nimmt und seine scharfe, sarkastische und zynische Zunge auch gegenüber dem Ork nicht bremst. Die Verhandlungsstrategie „Erst mal mit lautem Gebrüll draufhauen, dann reden“ trifft auf „möglichst unauffällig viel Ärger umgehen, selbst wenn man in den sauren Apfel beißen muss“, was sich natürlich auf das Verhalten und die Fähigkeiten von den beiden Hauptdarstellern auswirkt. Während der eine entweder viel austeilt, bis hin zum Wutanfall – bei welchem man jedoch die Kontrolle über ihn verliert – oder viel einsteckt, versteht sich der andere mehr aufs Handwerk des lautlosen Heranschleichens und Meuchelns, bedient sich an Gift für seine Klingen oder geht auf sicheren Abstand in den Fernkampf.

Dieser Umstand der Gegensätze bietet weiteren Stoff für eine spannende und interessante Story, welchen sich die Entwickler natürlich auch zu Nutze machten. Das Spiel ist sehr storylastig und braucht ein wenig Anlaufzeit, um in die Gänge zu kommen. Im voranschreitenden Spielverlauf jedoch, wenn die Geschichte dann erst einmal ins Rollen kam, ist man immer gespannter auf die Geschehnisse.

Man könnte jedoch meinen, dass die Entwickler sich einerseits in die Schaffung der Geschichte und die Ausarbeitung der einzelnen Figuren (insbesondere der beiden Hauptdarstellern) sowie andererseits der Synchronisation der Dialoge und der sehr stimmigen, überzeugenden und gelungenen Untermalung jedweder Situation und Atmosphäre mit der passend Musik verrannt haben. Denn so gut es sich auch anhören mag, man vermisst doch an anderen Stellen der Spielmechanik und des Spielaufbaus eben jenen Hang zur Perfektion.

Positive Eindrücke

Sympathisch-ungleiches Helden-Duo

Trotz aller Gegensätze – oder vielleicht auch gerade wegen dieser – überzeugen Arkail und Styx in diesem Spiel eigentlich auf ganzer Linie. Man fühlt sich etwas wie in einem Bud Spencer und Terence Hill Film aus den guten alten Zeiten. Die beiden wollen nicht wirklich miteinander, können aber (wohl eher gezwungenermaßen) auch nicht unbedingt ohne den anderen. Sie geben sich gegenseitig eine Spitze nach der anderen oder es gibt – im Falle von Arkail – auch mal eine ordentliche Breitseite „Bedenkzeit“ mit der Faust oder der Waffe.

Spannende Handlung mit Tiefgang aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel

Wie eingangs schon erwähnt, bietet die Story aus der Sicht „der anderen Seite“ schon durch diesen Gedanken ein solides Fundament. Der Weg von Arkail und Styx ist einerseits durchwoben von Ehre, Freundschaft und Zusammenhalt, aber auch von Korruption, Verrat und charakterlichen Abgründen. Somit geht die Geschichte auf ernste Themen ein und verpackt diese in der Fantasie-Welt von Orks, Goblins und mehr. Sie bietet daher nicht den gewohnten Einheitsbrei von den bösen Grünhäuten, die einfach nur stupide alles kurz und klein hauen wollen, sondern zeigt ein vollkommen anderes Bild.

Gut gemeintes Kampfsystem

Im Repertoire des Systems befinden sich unterschiedliche Angriffe mit unterschiedlichen Stärken (leicht, mittel, schwer) und ein Zeitlupen-Effekt per Tastendruck, um seine nächsten Schritte besser koordinieren zu können. Den Gegnern bieten sich unterschiedliche Reaktionsmöglichkeiten auf eure Angriffe, damit die ganze Sache wesentlich taktischer ausfällt als ein stupides Gekloppe. Die Lanzenträger halten den großen Arkail mit ihrer langen Waffen auf Distanz und unterbrechen oder kontern seine schweren und langsamen Attacken. Die Gegner, welche ein Schild tragen, blocken leichte Angriffe recht mühelos und jene, die einen Helm tragen, lassen sich durch Attacken mit der Chance auf Betäubung nicht so leicht außer Gefecht setzen. Die recht hartnäckigen Plattenträger stecken meist alle leichten und viele mittleren Angriffe und Attacken weg, ohne (nennenswerten) Schaden zu nehmen. Darüber hinaus gibt es einige Statusveränderungen, mit weiterreichenden Effekten (wie „vergiftet“, „betäubt“, „blutend“, „Rüstung beschädigt“, etc.), welche dem System auf den ersten Blick weitere Tiefe und interessante Möglichkeiten geben, jedoch wurden diese nicht völlig ausgeschöpft und es bleibt leider wieder Potential auf der Strecke.

Synchronisation, Sounds und musikalische Untermalung

Hier punktet das Spiel wohl am meisten. Nebst hervorragender Untermalung mit der richtigen Musik in jeder Situation, der Schaffung einer allgemein düsteren Atmosphäre und der Geräuschkulisse des Kampfes ist selbst die deutsche Synchronisation überraschenderweise äußerst gut gelungen. Diese zeigt nur bei den Nebencharakteren manchmal in Abstimmung mit den Lippen leichte Schwächen, welche man jedoch vernachlässigen kann. Ansonsten merkt man aber schnell, dass die Leute hier vom Fach sind, ihr Handwerk verstehen und es auch überzeugend und fesselnd rüberbringen.

Negative Eindrücke

Schlauchlevels, Schlauchlevels und nochmals Schlauchlevels

Die linearen Gebiete, in welchen die Kämpfe stattfinden, bieten selten Abzweigungen oder Erkundungsmöglichkeiten und sind allgemein eher klein gehalten und knapp bemessen. In vielen Fällen rennt man, falls doch mal ein alternativer Weg vorhanden sein sollte, jedoch einfach nur im Kreis wieder auf den Hauptweg zurück. Eher frustrierende Ausnahmen bilden nicht lohnenswerte Sackgassen, in welchen man weder Beute findet, noch ein paar Halunken für Erfahrungspunkte einen auf den Deckel geben darf. Die kleinen und abgesteckten Level sind zwar mit unter sehr schön anzusehen, doch tröstet dies nicht wirklich über so manche negativen Aspekte hinweg. Wer also denkt, er kann hier und da abseits auf große Schatzruhen-Jagd gehen, der täuscht sich. Beute von besiegten Gegnern gibt es, mit Ausnahme von mancherlei Boss- oder Event-Gegnern, schlicht gar keine. Schade!

Gefahr von sich wiederholenden, öden Kämpfen

So gut die Ideen für das Kampfsystem auch sein mögen, es finden sich jedoch schnell Schwächen, welche alsbald auch eine gewisse Langeweile aufkommen lassen. Hat man einmal das eigentliche Stein-Papier-Schere Prinzip bei den wenigen zur Verfügung stehenden Gegner-Typen begriffen, weicht man selten von den Standard-Attacken ab und kommt trotzdem an sein Ziel. Eine gewisse Herausforderung kommt zwar in höheren Schwierigkeitsgraden und durch eine erhöhte Anzahl an Gegnern auf, durch die man durchaus auch mal in sehr knifflige Situationen gerät, aber hier liegt wieder verschenktes Potential, leider.

Rudimentäres Item-System und unscheinbares Level-System

Wie bereits erwähnt, gibt es so gut wie keine Beute. Hier und da lässt sich mal ein Gegenstand finden oder als Belohnung für einen besiegten Boss oder einem im Kräftemessen besiegten Verbündeten einheimsen (auch wenn letzteres wiedermal eine sehr gute Idee ist). Die äußerst wenigen Händler, die man antrifft, haben einerseits nur eine sehr begrenzte Auswahl. Andererseits ist diese leider meist auch schlechter als das, was man ohnehin schon trägt. Daher spart man sich auch so etwas wie Geld im Spiel, denn als Bezahlmöglichkeit gibt es „Handelspunkte“ die man sich durch den Verkauf von Ausrüstung und durch das Kräftemessen mit manchem Verbündeten verdient – oder diese ironischer Weise in seltenen Fällen auch als Beute finden kann.

Man steigt zwar recht schnell die Level-Leiter nach oben, doch die vermeintlichen Verbesserungen, welche man beiden Charakteren durch je 1 Attributs- und 1 Fähigkeitenpunkt je Level zuschreiben kann, merkt man eigentlich gar nicht. Sei dies durch Steigerung der Attribute oder dem einmaligen Ausbau einer bereits erlernten Fähigkeit, welcher zusätzliche Boni für diese Attacke mit sich bringt. Einzige Ausnahme bilden vielleicht 1-2 nützlichen neuen Fähigkeiten je Charakter. Hier wurde leider auch wieder viel Potential verschenkt.

Fazit

Wer auf Ork-Action, eine gute Story, Fantasy und auf einige amüsante Stunden guter Unterhaltung steht und nicht hochgradig allergisch auf Schlauchlevels reagiert, wird hier wohl nichts verkehrt machen und sollte zugreifen. Das Spiel bietet etliche interessante Aspekte und Ansätze, auch wenn diese nicht immer gänzlich ausgeschöpft werden. Darüber hinaus ist es sehr schön anzusehen und auch anzuhören. Die Steuerung ist recht einfach gehalten, angenehm in der Handhabung und bietet im Eifer des Gefechts genug Zeit dank Zeitlupen-Effekt per Tastendruck.

Wer jedoch eine große Welt mit vielen Freiheiten wie beispielsweise in TES: Skyrim erwartet und sucht, sollte hier lieber einen Bogen drum machen, um nicht enttäuscht zu werden. Das Spiel ist bei weitem nicht so umfangreich, hat aber seinen ganz eigenen Charme.

Mir persönlich brachte das Spiel jedenfalls viele Stunden Spielspaß, nicht nur durch die Story und den Witz des ungleichen Helden-Duos.

Und für alle Fans des Gamerscore-Systems und für die Highscorejäger unter euch gibt es hier mit 45 Erfolgen recht leicht und schnell verdiente 1000 Punkte.

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Euer Hardbloxx-Team
Test erstellt von MisterGentleman

Test / Testbericht: Kingdoms of Amalur: Reckoning

Aller Anfang ist …. TOD!

Und es beginnt mit dem Tod. Fast ja schon Paradox, aber in Kingdoms of Amalur: Reckoning ist dies genau die Ausgangssituation. Wie immer und so oft, der Kampf gegen Gut und Böse. Schwerter, die aufeinanderprallen, Horden die gegenseitig blind vor Kriegslust aufeinander zustürmen und mittendrin der Spieler. Was absehbar war, soll auch geschehen. Im Intro stirbt die eigentliche Spielfigur und man fragt sich, ob man die letzten Spielstunden einfach vergessen hat, wegrationalisiert quasi aus den Stirnbereichen, die klar und eindeutig für das Zocken zuständig sind.
Aber nein, der Tod stellt nur den Beginn einer vielstündigen Reise auf der Suche nach der eigenen Vergangenheit dar. Und so startet ihr in Kingdoms of Amalur: Reckoning in das Abenteuer. Ob die Entwickler ihrem Anspruch gerecht werden konnten und Skyrim vom Thron stürzen konnten, erfahrt ihr jetzt im Test.

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