Kategorie: 2.5.3 Strategie & Simulation

Test/Testbericht: The Bureau: XCOM Declassified (PS3)

In den 60er Jahren, in denen nicht nur in den USA der Kalte Krieg den Alltag der Menschen beherrscht, tritt eine völlig neue Bedrohung in das verkorkste Leben von Ex-Agent William Carter. Eine unbekannte Macht will den stilsicheren Helden und der restlichen Menschheit ans Leder. Wir haben uns den Kampf gegen die Außerirdischen gestellt und mussten das ein oder andere Opfer auf dem Weg zum Sieg bringen.

Im Team gegen die Aliens

In The Bureau: XCOM Declassified übernehmen wir die Kontrolle über den Titelhelden William Carter, einen hochdekorierten Ex-Agenten mit Alkoholproblem dessen letzter großer Auftrag schon einige Zeit zurückliegt. Carter der gerade zu Beginn sehr zynisch und rau wirkt, hat mehr mit seiner eigenen Vergangenheit zu kämpfen und ist somit eher der Einzelgänger. Diese Eigenschaft kann er allerdings direkt nach dem Intro in die Tonne werfen, denn schnell wird klar dass Carter in The Bureau Führungsqualitäten beweisen muss. Anders als in den bisherigen XCOM Ablegern wird in The Bureau nicht auf rundenbasierte Taktik gesetzt, auch wenn es uns oftmals (wohl eher unbeabsichtigt) so vorkam. Hier wird in Echtzeit gespielt und agiert. Wir steuern Carter in der Third-Person-Perspektive und durchschreiten die Missionen in Shooter-Manier. Somit ist The Bureau: XCOM Declassified nicht wirklich ein richtiger XCOM und das soll er wohl auch nicht sein. Vielmehr steht hier die Story im Vordergrund und prägt das Spielerlebnis.

Uni_SquadTBXD_Review_Uni_Shoot_Cover

 

Taktiere oder stirb!

Taktische Elemente sind jedoch trotzdem wichtiger Bestandteil und eine richtige Handhabung entscheidet hier über Leben oder Sterben. So kann man mit einem Tastendruck das Spiel verlangsamen und den Teamkameraden Anweisungen geben. Nimmt man dieses Spielelement nicht allzu ernst, steht man schnell alleine da, denn ohne Anweisungen wirkt dein Team hilflos und dient einzig als Kanonenfutter. Das heißt allerdings nicht, dass sich dieser Umstand ändert wenn man Anweisungen gibt. Die KI der Mitstreiter ist schlicht und ergreifend schlecht und so kann es passieren, dass sich die Herren auf der falschen Seite der Deckung abducken oder ins Kreuzfeuer der Alienhorden laufen. Nur bei ÄUßERSTER Genauigkeit und durch viele Stunden Übung kann man die Anweisungen so setzen, dass sie der Sache dienlich sind und dem Helden unter die Arme greifen. Hier hat das Spiel definitiv Nachholbedarf und viel Potential verschenkt, gerade weil dieser Bestandteil des Spiels so immens wichtig ist. Würde der Taktikmodus zu 100% funktionieren und wäre das System ausgereift, hätte das Spiel diese Art Alleinstellungsmerkmal das es von anderen Shootern abhebt und auch etwas mehr die Berechtigung den Namen XCOM zu tragen. Doch so ist der Taktikmodus nur ein nettes Feature mit dem der Spieler arbeiten muss.

TBXD_Review_Outsiders TBXD_Review_Prelude_Seed

 

Überraschend leeres Hauptquartier

Die Auswahl des Teams das Carter auf die jeweilige Mission begleitet findet im Hauptquartier statt. In erster Linie wurde es gebaut um bei einem sowjetischen Angriff als Schaltzentrum der Verteidigung zu dienen, doch nun erfüllt es als letzte Koordinationsstellung des Widerstandes seinen Zweck. Das Hauptquartier ist frei begehbar und dient als Aufenthaltsort zwischen den Missionen. Hier kann Carter kleinere Nebenmissionen erfüllen, neue Waffen testen oder mit anderen Charakteren interagieren. Allerdings wirken die Charaktere eher hölzern und die Gespräche nutzen sich schnell ab. Die schlechte Synchronisation tut dabei ihr Übriges.

TBXD_PreviewScreens_Base_Enviro_01 TBXD_Review_Factory05_JW

 

Alle Mann an Bord

Bevor man im Hauptquartier die nächste Mission auswählt, kann man sich sein persönliches Team zusammenstellen das Carter im Kampf unterstützen wird. Es stehen mehrere Charaktere zur Auswahl und jeder hat andere Fähigkeiten. So kann man mithilfe eines Teammitgliedes Luftunterstützung anfordern oder einen Geschützturm aufstellen. Die Aktion ‚Einschüchtern‘ lockt beispielsweise die Aliens aus der Deckung so dass man sie problemlos unter Feuer nehmen kann. Damit ergeben sich durchaus viele Möglichkeiten die Gefechte zu bestreiten. Außerdem können im Verlaufe des Spiels die Mitstreiter geskillt und neue Charaktere freigespielt werden. Sollten deine Teammitglieder allerdings im Gefecht sterben, so verschwinden diese für immer und somit auch ihre erspielten Fähigkeiten.

Signal_Carter_SuitSquad_Silo

 

Früher sah alles besser aus

Die Spielewelt in The Bureau: XCOM Declassified sieht schlichtweg sehr gut aus. Grafisch ist eine sehr schöne und stimmige Umgebung gelungen. Die 60er Jahre konnten stilecht und überzeugend eingefangen werden. Viel Zigarettenrauch, zerstörte Vorstadtidylle mit Footballfeldern und Paraden oder American Diner Restaurants prägen die Landschaft und das Umfeld des Helden. Im Hauptquartier schwirren Wissenschaftler in weißen Kitteln umher, Tonbandgeräte laufen auf Hochtouren und auch hier wird viel geraucht. Selbst das Design der Aliens ist ‚klassisch‘ gehalten und wirkt irgendwie nostalgisch. Einzig die asynchronen Lippenbewegungen bei Interaktionen fallen hier negativ auf.

Base_OpsRevive_Agent

 

Von der Pistole bis zum Laser

Die Auswahl der Waffen ist relativ übersichtlich. Natürlich stehen die Typischen 60er Jahre Wummen im Vordergrund. Pistolen, Halbautomatik Gewehre, Scharfschützengewehre, Schrotflinten und noch viele andere Waffen finden sich im Inventar. Natürlich kann man auch mit Granaten agieren oder Minen legen. So richtig interessant wird es erst im weiteren Spielverlauf. Da die Wissenschaftler immer mehr Alientechnologie herankarren und erforschen können, ergibt sich für den Spieler immer öfter die Möglichkeit von den neuen wissenschaftlichen Errungenschaften zu profitieren. Plötzlich kann Carter mit Laserwaffen feuern und seine vorhandenen Waffen mit der Alientechnologie aufmotzen. Das bringt sehr viel Abwechslung in die Ballersequenzen und erhöht den Spaßfaktor. Übrigens kann die Art wie die Aliens dahinscheiden auch sehr unterhaltsam sein. Man kann sich zumindest mit dem ein oder anderen spektakulären Kill Trophäen verdienen. Dies bleibt allerdings ohne größeren Nutzen.

2KG_TheBureauXD_SquadRevive2KG_TheBureauXD_SquadTactics

 

Durchschnaufen – schon wieder

Das Missionsdesign im Spiel ist überzeugend. Das Team durchschreitet die Missionen in sehr linearen Stil. Größere Freiheiten gibt es nicht. Auch wiederholen sich die Abläufe in den jeweiligen Level. Trupp startet – kommt an eine Abbiegung – Zwischensequenz – Ballersequenz. Dabei ist auffällig dass die Shooterpassagen wohl eher tatsächlich ungewollt an rundenbasierte Abläufe erinnern. In anderen Shootern ist man es gewohnt, dass an jeder Ecke der Feind lauern könnte. Man rechnet immer mit Beschuss vom Gegner und kann sich eigentlich seiner Gesundheit nie sicher sein. In The Bureau: XCOM Declassified verhält sich dies etwas anders. Man kann sich in einigen Abschnitten nahezu 100% sicher sein dass man in den nächsten Sekunden seine Waffe NICHT bemühen muss. Denn ein Angriff wird so gut wie immer durch eine Zwischensequenz, ein kurzes Zwischenspeichern oder einen Kommentar eines Begleiters oder von Carter selbst eingeleitet. Das heißt also der Spieler wird immer vorgewarnt und kann sich somit auf die Gefechte einstellen ohne überrascht zu werden. Das ist sehr schade, da diese Vorhersehbarkeit dem Spiel einiges an Spannung nimmt. Ist die Ballersequenz überstanden merkt man das daran, dass einer deiner Begleiter dies durch einen kurzen Satz wie: „Das war der Letzte“ oder „Das waren alle“ kommentiert und das die Lebensanzeige wieder aufgefüllt wird. So kann man sich wieder in Sicherheit wähnen bis die nächste Zwischensequenz kommt. Genau dieser Umstand hinterlässt den Eindruck des Rundencharakters und nimmt so viel Spannung und Überraschung, dass das Spiel schnell zur Routine verkommt. Schade!

2KG_TheBureauXD_Sectoids2KG_TheBureauXD_SignalFight

 

Aller Anfang ist schwer – aber dann…

Nach all der Kritik muss man allerdings sagen: nach einiger Einarbeitungszeit macht das Spiel durchaus Spaß. Gerade wenn man den Taktikmodus langsam durchschaut hat und die Fähigkeiten des Teams zu nutzen weiß. So eröffnen sich viele spaßige Möglichkeiten die Kämpfe zu meistern. Eventuell schreckt die stotternde Einarbeitungszeit einige Gamer ab, jedoch lohnt diese ‚Arbeit‘ wirklich. Nach und nach kommt der Taktikshooter ans Licht, der von Anfang an angestrebt wurde. So kann man in sehr vielen Arealen Gegner umgehen oder sie zumindest überraschen. Auch Fallen stellen ist möglich und bringt mehr Abwechslung. Man muss sich eben nur ‚überwinden‘ und sich durch die ersten Stunden winden.

2KG_TheBureauXD_DaSilva2KG_TheBureauXD_Lightplasmapistol

 

Story vor Taktik

Die Story in The Bureau: XCOM Declassified bleibt im Grunde immer spannend und wird sehr unterhaltsam erzählt. Man spürt, dass die Macher hierauf den Fokus gelegt haben. Carter schlittert von einer Wendung, von einer Absurdität in die Nächste. Das ist nicht immer glaubwürdig aber stets sehr charmant. Also bevor man hier mit zu viel analytischen Verstand zu Werke geht, kann man das was da auf dem Bildschirm flackert auch einfach genießen. Natürlich wirken einige Teile doch recht konstruiert, allerdings ist eine Alieninvasion auch nicht gerade Realismus pur. Also Füße still halten und einfach unterhalten lassen. Es funktioniert definitiv!

2KG_TheBureauXD_Codebreakers_12KG_TheBureauXD_Codebreakers_2

 

 

Fazit

Insgesamt liefert 2K ein solides bis gutes Game ab. Allerding ist es eben größtenteils ein Shooter und keine Taktikorgie. Die Ansätze die im taktischen Bereich zu erkennen sind, sind durchaus gut. Allerdings wirkt dieser Punkt nicht zu Ende gedacht oder unfertig. Abgesehen davon, dass es recht viel Energie (und Nerven) kostet bis man den Modus für seine Zwecke nutzen kann. Die unterhaltsame Story und das stimmige Leveldesign gleichen diesen Punkt allerdings ganz gut aus. Echte XCOM Kenner und Fans werden allerdings ein wenig enttäuscht sein.

Nichtsdestotrotz ist den Machern ein wirklich ordentlicher Shooter gelungen bei dem sicherlich noch an ein paar Stellschrauben gedreht werden kann. Der Spielspaß erreicht deshalb natürlich keine ekstatischen Sphären, aber er rutscht auch nicht in den Keller. The Bureau: XCOM Declassified ist ein guter Titel. Er hätte aber um einiges besser werden können.

 

Positiv

– Stimmiges Design

– Schönes 60er Flair

– Gute Effekte

– Viele taktische Möglichkeiten (nach einer gewissen Einarbeitungszeit)

– Schöne Story mit einigen Wendungen

 

Negativ

– Asynchrone Lippenbewegungen

– Teilweise hölzerne Charaktere

– Steuerung ist zu starr und kann nicht intuitiv benutzt werden

– Teilweise recht knackige Abschnitte

– Erfordert Einarbeitung

 

Wenn ihr euch das Spiel kaufen möchtet, findet ihr hier den günstigsten Preis.
Oder ihr kauft bei Amazon.

 

 

 

(Hier Kommentare abgeben!)

Euer Hardbloxx-Team
Test erstellt von Hardbloxx.DannyDashboard