Kategorie: 2.7.5 Jump´n Run

Test/Testbericht: Tearaway

Spätestens seit Super Mario sind Jump’n’Run-Spiele ein wichtiger Bestandteil der Videospielbranche. Und obwohl es tatsächlich einige Vertreter dieses Genres gibt, leiden viele andere Spiele an dem Problem, dass sie lediglich wie eine Art Klon der bekannten Größen wirken und nicht wie ein eigenständiges Spiel. Tearaway ist – und so viel sei bereits am Anfang verraten – nun wirklich kein „Super-Mario–Klon“ und bedient sich auch sonst nicht bereits bekannten Spielkonzepten. Stattdessen bringt es eine vollkommen neue Komponente auf den heimischen Handheld und überrascht uns damit außerordentlich. Denn von nun an heißt es: Basteln auf der heimischen PlayStation Vita ist in!

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Eine Nachricht an die Sonne

Basteln? Ja, ihr habt richtig gehört, doch eins nach dem anderen. Wie in jedem Videospiel werdet ihr auch in Tearaway mit einem Problem konfrontiert: Es gibt eine Nachricht, die nur für euch gedacht ist. Doch leider seid ihr die Sonne in einer vollkommen aus Bastelpapier und -pappe bestehenden Welt. Und wenn von „Ihr seid die Sonne“ gesprochen wird, dann ist das nahezu wörtlich zu verstehen, denn euer Gesicht wird – dank PSV-Kamera – bei jedem Auftreten der Sonne live in den gelben Himmelsstern übertragen. Somit seid ihr für alle Bewohner von Talfalte, so heißt die Welt, in der die Handlung des Spiels stattfindet, eine Art Überwesen und werdet von nun auch lediglich als „Das Wesen“ bezeichnet. Außerdem steuert ihr den kleinen Kurier Atio, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, euch die Nachricht zu überbringen. Dies erweist sich als nicht so einfach, denn schließlich ist die Sonne hoch oben am Himmel und der kleine Papiermensch Atio am Boden. Also tut er das einzige, was ihm in seiner aktuellen Situation übrig bleibt: Er versucht, den höchstmöglichen Ort seiner Welt zu finden und euch vielleicht von dort aus ein wenig näher zu kommen. Das stellt sich aber als schwierig heraus, denn er muss nicht nur viele (Papier-)Hindernisse überwinden, sondern trifft auch auf böse Kreaturen, die sich „Schnipsel“ nennen und ihm an den Kragen wollen. Außerdem gibt es da noch die fiesen Krähen, vor denen unser kleiner Held Angst hat und die er nur vertreiben kann, wenn er den Kürbis-Kopf der Vogelscheuche findet.

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Glücklicherweise sind nicht alle Bewohner von Talfalte so gemein und furchteinflößend. So trefft ihr zum Beispiel auf Eichhörnchen, die euch mit wertvollen Tipps zur Seite stehen. Oder auf andere Talfalteraner, die euch nach und nach mit den Funktionen des Spiels vertraut machen oder euch sagen, an welchem Ort ihr einen gesuchten Gegenstand finden könntet. Darüber hinaus gibt es eine kunterbunte Tierwelt, die euch unterstützt. Dadurch könnt ihr zum Beispiel auf einem Schwein reiten oder euch mit einem kleinen Wendigo durch Papierwände fressen, denn anscheinend essen Wendigos aus Papier eben liebend gerne selbiges Material. Also lauft, springt und rollt ihr euch durch die verschiedenen und sehr abwechslungsreichen Level, trefft auf die unterschiedlichsten Mitbewohner und schießt ab und an ein Foto oder bastelt euch ein neues Gesicht. Richtig, wieder dieses Basteln. Da die gesamte Welt von Talfalte aus Bastelpapier besteht, könnt ihr auch sehr viele Sachen nach eurem Belieben verändern. Dabei seid ihr zwar meistens vollkommen frei in eurer Auswahl, doch gibt es auch Auftragsarbeiten, die ihr ausführen solltet: Ein Eichhörnchen hat zum Beispiel seine Krone verloren und bittet euch um eine neue. Oder einem Talfalteraner kam sein Schnurrbart abhanden, weshalb es nun an euch liegt, ihm einen neuen zu basteln. Außerdem klagt ein Bauer über sein ach so hässliches Schwein, welches mit einem neuen Gesicht einfach wesentlich besser aussehen würde und dann beim Schönheitswettbewerb vielleicht sogar den ersten Platz holt.

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Zeichnen, Schneiden, Kleben

Das Basteln an sich funktioniert dabei recht simpel: Ihr sucht euch zunächst euer Bastelpapier aus, das aus den verschiedensten Farben sein kann und zeichnet dann via Touchpad eure gewünschte Form. Mit einem Klick auf die Schere wird eure gezeichnete Form ausgeschnitten. Nun könnt ihr sie entweder direkt verwenden oder weitere Formen zurecht schneiden und diese dann miteinander kombinieren. So kann eine Krone zum Beispiel aus einer gelben Grundierung sein, aber dafür mit lila Edelsteinen besetzt werden. Oder ihr kreiert Handschuhe für euren Protagonisten, die zunächst blau sind, dann aber mit einem grünen und roten Muster verziert werden können. Eurer Fantasie ist diesbezüglich keine Grenze gesetzt. Allerdings ist es auch nicht zwingend notwendig, dass ihr künstlerisch begabt seid, denn das Spiel prüft nicht nach, ob eure Bastelarbeit auch tatsächlich so aussieht, wie der geforderte Gegenstand. Wenn ihr also statt einer Krone einfach ein Herz oder ein Dreieck ausschneidet, dann akzeptiert euer Auftraggeber auch das. Das ist einerseits zwar schade, sorgt aber andererseits dafür, dass auch künstlerisch nicht so begabte Personen in Tearaway weiterkommen und sich dafür beispielsweise auf den Jump’n’Run-Teil konzentrieren können.

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Apropos Jump’n’Run: Einer der wichtigsten Aspekte des Genres ist die Fortbewegung und deren verschiedene Einsatzmöglichkeiten. Diese reizt der Titel komplett aus und nutzt das gesamte Spektrum der PSV, indem er zunächst einmal die „normalen“ Bewegungsabläufe nutzt, die man so oder ähnlich schon aus anderen Vertretern des Genres kennt: Über Abgründe oder auf Podeste springen funktioniert ebenso einfach, wie das Herumrollen als Kugel, wodurch ihr nicht nur schneller als beim normalen Laufen seid, sondern auch Gegner einfach wegrammen könnt. Außerdem müsst ihr ständig beide Touchpads benutzen, wobei gerade der Touchpad auf der Hinterseite der PSV besonders innovativ genutzt wird. An manchen Stellen des Spiels müsst ihr nämlich bestimmte Gegenstände von unten nach oben „drücken“, wobei im Spiel tatsächlich ein Finger erscheint, der so aussieht, als ob es der eure sein könnte. Das bietet natürlich auch gleich eine ganze Reihe von spielerischen Elementen. So müsst ihr euch zum Beispiel auf ein Podest stellen und dieses hoch drücken, um so einen hoch oben gelegenen Punkt zu erreichen. Oder ihr nutzt den Touchpad auf der Rückseite, um gegen die fiesen Schnipsel zu kämpfen und sie einfach wegzuschleudern. Oder ihr schmeißt eine Kiste nach oben, die euch gerade den Weg versperrt und rennt schnell drunter hindurch. Die Möglichkeiten sind vielfältig und werden auch genutzt.

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Mit der Kamera das Basteln entdecken

Immer mal wieder müsst ihr auch die Kamera von eurem Protagonisten benutzen, der damit zunächst seine Freunde fotografiert, dann jedoch bald schon feststellt, dass es auch noch weitere Möglichkeiten gibt. Ihr könnt zum Beispiel weiße Flächen finden, die erst koloriert werden, sobald ihr sie fotografiert habt. Doch das ist noch nicht alles. Ihr schaltet dadurch einen Bastelplan frei, den ihr auf der offiziellen Webseite des Spiels einsehen könnt. Dann könnt ihr diesen kostenlos aufrufen, herunterladen, ausdrucken und damit einfach und bequem im wahren Leben ein Eichhörnchen basteln, oder ein Kinderkarussell oder viele andere, spannende Figuren. Außerdem könnt ihr auch einfach die geschossenen Fotos hochladen und mit der gesamten Welt teilen. Ihr könnt euch verschiedene Filter für eure Kamera kaufen, mit denen ihr nicht nur verrückte Sachen anstellen könnt, sondern die auch noch für das Spiel relevant sein können. Denn so könnt ihr zum Beispiel nur mit dem Schwarz-Weiß-Objektiv versteckte Sachen entdecken, die ihr in der bunten Welt nicht sehen werdet. Die offizielle Währung des Spiels heißt übrigens „Konfetti“, welches in etwa die selbe Funktion wie Münzen in anderen Titeln hat, aber einfach viel besser zum Gesamtkonzept passt. Damit kauft ihr dann nicht nur Fotozubehör, sondern auch neue Augen, Münder und andere Deko-Sachen für euren Protagonisten und seine Freunde.

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Persönliches Fazit

Es gibt nicht viele Titel, die heutzutage etwas schaffen, was bisher noch niemand zuvor gebracht hat. Tearaway ist so eine Rarität und strotzt vor Innovation und Einfallsreichtum: Egal ob Level-Design, Bewegungssteuerung oder die Basteleinlagen, es macht immer Spaß und sorgt für eine neue Überraschung. Die Geschichte ist putzig erzählt und das gesamte Setting passt einfach zusammen. Es ist nur schade, dass es die meisten Spieler einfach nicht ansprechen wird, denn „putzig“ ist leider für viele ein Ausschlusskriterium. Wenn ihr jedoch auch nur im entferntesten etwas mit dem Titel anfangen könnt, dann besorgt euch Tearaway und hüpft, rollt und bastelt drauf los, denn es ist wirklich ein sehr gutes Spiel! Holt euch den Titel doch direkt bei Amazon für derzeit knapp 30€.

Positiv:
– kunterbunte Papierwelt
– gute Nutzung der PSV-Möglichkeiten
– witzige Geschichte
– interessantes Leveldesign
– innovatives Jump’n’Run-Feeling
– zusätzliche Achievments
– Vorlagen zum Basteln

Negativ:
– manchmal hakelige Steuerung
– ab und zu ungünstige Kameraeinstellung

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Euer Hardbloxx-Team
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