Kategorie: 2.8.4 Sportspiele

Test/Testbericht: Mario & Sonic bei den Olympischen Winterspielen Sotschi 2014

Der weltberühmte Klempner mit der roten Mütze, dem blauen Overall und dem markanten Schnurrbart treibt mal wieder Sport. Mario scheint mit Kartfahren, Tennis, Fußball, Golf und dem Besiegen von Erzrivale Bowser nicht genug ausgelastet zu sein, denn er und sein größter Konkurrent der 1990er, Sonic, haben alle ihre Freunde und Feinde mitgenommen und fahren schon jetzt nach Sotschi, um die Olympischen Winterspiele 2014 auszutragen. Wir wollten wissen, ob das Endergebnis einer so vielversprechend klingenden Sportveranstaltung wirklich etwas taugt und haben Mario & Sonic bei den Olympischen Winterspielen Sotschi 2014 auf der WiiU für euch getestet.

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Anmachen… und nun?

Das Spiel, in unserem Fall eine Download-Version aus dem Nintendo eShop, also ohne Anleitung und ohne Vorahnung, was einen gleich erwartet, startet mit einem kurzen schicken Video und fragt den Spieler, für welches Land der Welt er oder sie an der Olympiade teilnehmen will. Sucht man sich eines aus, landet man im Hauptmenü, dessen Auwahlmöglichkeiten höchstens erahnen lassen, was sich dahinter verbirgt: Mega-Medley, Legendärer Showdown, Einzelmatch, Geschick & Grips und Weltweiter Versus. Dass das Einzelmatch wohl eine einzelne Partie einer Sportart ist und der Weltweite Versus wohl mit einem Internetanschluss zu tun hat, ist plausibel. Der Rest nicht.

Spielneulinge, die nicht sofort alle Freunde mitgebracht haben, sondern zuerst alleine zocken möchten, sollten den Legendären Showdown nehmen – den Story-Mode sozusagen. Rund um eine fantasievolle Version der eigentlich in Moskau stehenden Basiliscus-Kathedrale gibt es 5 Areale, die man nach und nach freischaltet. In jedem Areal kämpft der Spieler mit einem zusammengewürfelten Viererteam aus den 20 wählbaren Charakteren in 4 Sportarten gegen die eigenen Schattenversionen, also z.B. Mario, Yoshi, Sonic und Shadow gegen Schatten-Mario, Schatten-Yoshi, Schatten-Sonic und ja… Schatten-Shadow. Danach schließt man das Areal mit einem Bosskampf gegen übliche Gegner der Spielreihen ab, wie etwa König Buu Huu oder Jet. So lernt man nach und nach alle Disziplinen und Charaktere kennen und ist für den Rest des Spiels gewappnet. Aber welche Disziplinen gibt es in diesem Titel?

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Die Disziplinen

In Zahlen gesprochen sind es 25 Disziplinen. 16 davon sind echte olympische Disziplinen, die in Sotschi kommendes Jahr auch wirklich ausgetragen werden: Ski-Alpin Abfahrt, Biathlon, Curling, etc. Die Sportarten spielen sich zum Teil sehr unterschiedlich. Es gibt zwar einige Parallelen bei der Steuerung der Ski-, Snowboard-, Bobsport- und Eisschnellauf-Disziplinen und manche sind sogar unter einem Menüpunkt zusammengefasst. So sind der Viererbob und Skeleton zusammen unter Bobsport zu finden. Curling, Eiskunstlauf, Biathlon etc. fühlen sich jedoch sehr eigenständig an und bieten beim Zocken sehr viel Abwechslung.

9 weitere sind Fantasiedisziplinen, die sich an den olympischen Disziplinen anlehnen, aber mit anderen Sportarten oder Videospielen gemischt wurden. Ein Beispiel wäre das Volltreffer-Curling, das eine Mischung aus Curling und Minigolf ist oder das Kugelwilli-Schlittenrennen, das an die Podrennen von StarWars Episode I erinnert – nur eben mit Kugelwillis statt Triebwerken und einer Strecke voller Sonic-artigen Turbos. Generell fühlen sich einige Spielelemente von diversen Mario-Party- und Wii-Sports-Titeln abgekupfert. Das tut dem Spielspaß aber keinen Abbruch. Es fühlt sich nicht geklaut an – das Rad muss einfach nicht neu erfunden werden.

Was schon eher stört, ist, dass all diese unterschiedlichen Sportarten einem selbst beim ersten Anzocken nicht erklärt werden. Unsere Nintendo eShop-Version gab nun mal keine Anleitung her. Man kann sich helfen, indem man Start bzw. + drückt und unten Links die Steuerung auswählt. Aber auch danach wird einem nicht alles klar. Manche Disziplinen wurden von uns eher nach dem Trial-and-Error-Prinzip gelernt, weil auch die Regeln der Sportart nicht immer zur Allgemeinbildung gehören. Oder wisst ihr, wie genau die Punkte beim Curling zustande kommen? Nur näher am Zentrum sein, heißt nicht gewinnen!

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Die Steuerung

Damit springen wir auch direkt zum nächsten Punkt: die Steuerung. Die Entwickler gaben sich Mühe, alle Funktionen der WiiU einzusetzen. Zum Teil mit Erfolg: Das Eiskunstlaufen ist so ein Reaktionsspiel geworden, bei dem man kurz vorher angezeigt bekommt, welche Bewegung die nächste ist und diese im Takt ausführen soll. Springen bzw. die Wii-Mote nach oben schütteln, so neigen, dass man die richtige Linie trifft, mit der Wii-Mote aus in eine bestimmte Richtung schwingen und zum Schluß die richtige Pose einnehmen. Das alles ist super geworden und macht vor allem mit Freunden Spaß. Jedoch kommt es auch vor, dass der erste Spieler das WiiU GamePad nehmen muss und die anderen mit der Wii-Mote spielen. Oder man spielt abwechselnd mit dem GamePad. Das verwirrt und stört den Spielfluss, wenn man etwa auf dem falschen Joypad A drückt, das aktuelle Fenster aber nicht weggehen will. Außerdem kommt die Kalibrierung der Wii-Motion Plus manchmal, wenn es grade nicht gebraucht wird beim Herumliegen wohl durcheinander. Dann kann es vorkommen, dass bei einer Ski-Alpin-Abfahrt kaum eine Bewegung richtig erkannt wird, weil der Controller nicht mehr richtig kalibriert ist. Das lässt sich mit kurzem Drücken auf den Start- bzw. +-Knopf schnell beheben, aber ist ärgerlich, weil man seine Idealzeit schon nicht mehr erreicht hat.

Auch andere Funktionen der WiiU, wie etwa das MiiVerse werden unterstützt. Nach beinahe jedem Rekord wird der Spieler gefragt, ob er seine Bestzeit hochladen will. Befreundete Spieler erhalten dann in ihrem Spiel oben eine Sondermeldung-Anzeige, wie in den Nachrichten, bei der steht, wer welchen Rekord aufgestellt hat. Das Ganze ist eigentlich gut durchdacht, doch leider hakt die Musik, wenn man nach dem Hochladen des Rekordes gefragt wird und zustimmt. Das hat bei anderen WiiU-Titeln wahrlich schon besser geklappt. Nett hingegen ist, dass das GamePad, solange es nicht von einem Spieler benutzt werden muss, immer den Punktestand anzeigt. Sind also alle Spieler gerade mit der WiiMote beschäftigt, kann man das GamePad für alle gut sichtbar auf den Couchtisch legen und sieht, wo man dran ist. Bei anderen Spielen, wie etwa Curling, sieht der Spieler, der gerade dran ist die Eisfläche aus einem anderen Blickwinkel und kann mit Hilfe des GamePad-Bildschirms besser zielen.

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Geübt? Dann kanns losgehen!

Hat man im legendären Showdown alle 25 Disziplinen kennengelernt und die Steuerung halbwegs verinnerlicht, kann man sich die anderen Modi anschauen. Das Mega-Medley bietet vorkonfigurierte Auswahlen von je 3-4 Spielen. Die Idee ist gut, da zum einen ein kleiner Wettbewerb stattfindet, welcher Spieler im Medley besser abschneidet und zum anderen muss man nicht nach jedem Spiel im Menü rumgurken und überlegen, was man als nächstes starten will – die Entscheidung wird einem abgenommen.

Kennen alle Mitspieler das Spiel schon ausreichend und fühlen sich in den Disziplinen wohl, kann man Geschick & Grips auswählen. Sind Schwierigkeitsgrad der Com-Gegner und Rundenanzahl festgelegt, geht es mit dem 1. Spiel los. Die Regeln sind diesmal jedoch anders. Ein paar Beispiele: Eis-Hockey, bei dem 4 Tore stehen und der gewinnt, der als erster ins Tor des Spielers mit den meisten Punkten schießt. Oder Viererbob, bei dem man die Ideallinie halten muss, damit eine Begleitung zur Hintergrundmusik eingespielt wird und am Ende gefragt wird, welches der vier zur Auswahl stehenden Instrumente diese Begleitung gespielt hat. Diese Rätselrunden machen auf jeden Fall Spaß und drehen die eigentliche Sportdisziplin oft total um. Ironischerweise klappt es hier mit dem Erklären der Spielregeln. In alter Mario-Party-Manier sehen die Spieler ein Fenster mit den Spielregeln und können einen Übungslauf oder ein Tutorial starten, ehe sie sich an das eigentliche Spiel heranwagen.

Da Einzelmatch nun wirklich selbsterklärend ist, springen wir zum Weltweiten Versus. Die Aufmachung ist toll: Es werden 4 Sportarten angezeigt mit der aktuellen Gesamtplatzierung des gewählten Landes. Wählt man eine davon, wird ein Globus angezeigt, auf dem die Platzierungen der besten Länder mit Pfeil zum Land angezeigt werden. Diesen Globus kann der Spieler mit + und – drehen und so sehen, wie z.B. in Ski-Alpin-Abfahrt Deutschland, Frankreich, UK, etc. stehen. Doch, wie immer bei Nintendo, ist der Online-Multiplayer ein heikles Thema. So auch hier: Entscheidet sich der Spieler für eine Sportart, wird ein Mitspieler gesucht. Zu schlechten Uhrzeiten wird leider oft keiner gefunden. Wird ein Mitspieler gefunden, spielt man eine Partie mit diesem und 2 Com-Gegnern und wird zum Schluss gefragt, ob die Runde wiederholt werden soll. Stimmen nicht beide Spieler zu, werden sie ins Hauptmenü geworfen, was sich, wie „Genug online gespielt!“ anfühlt. Nur dank der WiiU-Freundeslisten-Funktion kann man alle solche unbekannten Mitspieler danach fragen, ob diese mit einem befreundet sein wollen.

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Die richtige Stimmung

Im Gaming-Olymp ist Nintendo in der Disziplin des nostalgischen Charmes natürlich Meister. Insgesamt 20 Spieler aus den Mario- und Sonic-Spieleuniversen treten gegeneinander an, von denen viele die Spieler an bereits durchgestandene Abenteuer erinnernn. Manch ein Nebencharakter, wie Koopa, der noch im letzten Mario Party spielbar war, wird auf den ersten Blick in der Spielerauswahl vermisst, findet sich aber neben anderen Nebencharakteren, wie den Chao, jubelnd und Fahnen schwenkend auf den Tribünen der verschiedenen Stadien und Arenen wieder oder ist sogar Teil des Spiels, wie z.B. ShyGuy, der beim Eishockey Torwart ist. Ein weiterer, 21. Mitspieler ist natürlich der Mii des Spielers. Neben einem Haufen Achievements kann der Spieler für seinen Mii diverse Klamotten und Sportgeräte mit Aufdrucken freispielen. Damit die Sammelwut so richtig losgeht, kann man auch Soundtracks aus diversen Mario- und Sonic-Games freispielen, etwa als Hintergrundmusik für eine bestimmte Sportart oder in Form eines tanzbaren Remixes für die Choreographie beim Eiskunstlauf.

Das ganze wird in eine teils moderne, teils märchenhafte Welt gepackt. In der Kartenübersicht sieht man die hochmodernen Arenen und das olympische Dorf, das wohl jetzt noch in Sotschi gebaut wird. Auch während der Sportarten sehen die Arenen und anderen Sportstätten einfach gut aus. Die Tribünen sind nicht mit Pappaufstellern, sondern wirklich lebendig wirkenden, dynamischen Nebencharakteren gefüllt. Die Fantasiedisziplinen werden zudem in den Welten von Sonic und Mario ausgetragen und lassen auch Elemente aus den alten Spielen erahnen.

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Fazit

Mario & Sonic bei den Olympischen Winterspielen Sotschi 2014 ist ein gutes Party-Game. Die Charakterauswahl ist nicht riesig, aber gut. Der euphorische Orchestersoundtrack wird von diversen spielebezogenen Soundtracks ergänzt. Die Sportarten lassen nichts vermissen, was bei olympischen Winterspielen dazugehört und die Fantasiesportarten machen einfach nur Spaß und geben dem Spiel ein bisschen mehr Fülle. Doch die vielen kleinen Makel, wie ständiges Wechseln des Controllers, Verlust der Wii-Motion-Plus-Kalibrierung (war schon in anderen Titeln problematisch), die Hänger beim Hochladen der Rekorde und der fehlende Übungs-Modus vor den Sportarten, wie es bei Geschick & Grips dann doch vorkommt, drücken den Spielspaß insgesamt ein wenig. Schon beim 2. oder 3. Anzocken hat man sich damit angefreundet und kann die sportliche Gaudi genießen, aber im Jahr 2013 wirkt so etwas insgesamt leider unausgereift. Freispielbare Charaktere und Disziplinen hätten wir uns noch gewünscht. Stattdessen erhält man eine riesige Achievement-Liste und Zubehör für den eigenen Mii als Charakter.

Trotz der Abstriche kann Mario & Sonic bei den Olympischen Winterspielen Sotschi 2014 für lustige Spieleabende mit Freunden empfohlen werden. Nintendo hat hier ganze Arbeit geleistet, alle Funktionen der Konsole in ein Spiel zu pressen und das ist zumindest zum Großteil recht gut gelungen.

Positiv

– macht vor allem zu viert Spaß
– alle relevanten olympischen Winterdisziplinen und noch mehr in ein Partygame gepackt
– schöne Grafik

Negativ

– manchmal unklare Steuerung und Regeln
– hakelige Umsetzung der Online-Funktionen
– keine freischaltbaren Charaktere und Level

Ihr könnt Hardbloxx unterstützen und das Spiel jetzt hier kaufen. Ihr dürft aber natürlich auch hier Preise vergleichen oder unten einen Kommentar zum Spiel oder Test dalassen.

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Euer Hardbloxx-Team
Testbericht erstellt von Hardbloxx.ecth

Testbericht: Mario und Sonic bei den Olympischen Spielen: London 2012

Hast du mit Sport nicht viel am Hut
deine Beweglichkeit entfernt von gut
sieh´s einfach ein greif all dein Mut
Nintendos Sportkonsole macht es möglich
Muskelkater unentbehrlich
Mario und Sonic zwei Ikonen ohnegleich
vereint in einem Streich
Hammer, Diskus, Speer
also Wurfgeschoss auch gar nicht schwer
doch willst du selber durch die Lüfte fliegen
musst Du es mal mit Weitsprung probieren
Sprint und Hürdenlauf fehlen nicht
auch die Staffel ist hier Pflicht
Stufenbarren, Trampolin und Sportgymnastik
zwischendurch auch mal ganz lustig
lohnt sich der Kauf, oder doch eher nicht
Gamebloxx sagt’s Euch ins Gesicht

Was haben ein Klempner und ein Igel gemeinsam? Gut, für das allgemein als Antizocker bezeichnete Individuum mag diese Frage etwas paradox erscheinen, doch so manch einer kennt die Antwort.
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