Kategorie: 4.7.4 MisterGentleman

Kolumne: Let’s Player und Let’s Play – Hype oder Kunst?

Sind Let’s Play Videos nur ein Hype oder doch eine neue Form der Kunst? Eine recht interessante Frage und so einfach sie scheint, so schwierig ist sie zu beantworten. Schließlich steckt der Teufel auch bei etwas so scheinbar Einfachem wie Let’s Play im Detail und so muss man erst einmal weit ausholen und einige andere Aspekte mit einbeziehen.

Wie überall gab es die Thematik früher schon einmal, fand aber wenig Anklang oder flachte gleich wieder ab. Später gab es dann ein paar Vorreiter, die Thematik traf den Nerv der Zeit etwas mehr und auf einmal sprießen sie überall wie Pilze aus dem Boden. Die Rede ist dieses Mal, wie es in der Überschrift schon geschrieben steht, von Let’s Play-Videos und ihren Schöpfern.

Der „Fluch“ der Zeit?

Doch wie kommt es zu diesem Trend und dem regelrechten Boom in den letzten Jahren? Ich muss ehrlich gestehen – und die Situation haben neben mir sicherlich auch schon verdammt viele im Laufe der Zeit durchgemacht – ich habe die Freunde früher nie so recht verstanden, die immer gesagt haben „Ach spiel ruhig du, ich schau lieber zu.“. Ich meine, wenn man zu Gast bei jemandem ist, finde ich es noch verständlich, dass man dem Hausherrn den Vorrang lässt. Schließlich ist es seine Konsole oder sein Computer. Der mit dem Hausrecht hat auch das Recht über den Controller sozusagen. Doch selbst da sagten viele recht schnell immer wieder den gleichen Satz „Ach spiel du ruhig, ich schau lieber zu“. Eine Tatsache, bei der man sich eigentlich schon damals denken konnte, dass man daraus doch etwas machen könnte. Darüber hinaus war natürlich der Gedanke präsent, dass das nicht ein Traum-Job wäre: Geld damit verdienen, dass andere einem beim Zocken zusehen. Doch die Zeit war noch nicht reif genug und das Publikum wohl auch noch nicht groß beziehungsweise erreichbar genug. Schließlich rannte damals nicht jedes dritte Schulkind mit einem iPhone 6 über den Schulhof und war gänzlich damit überfordert, ob man nun am iPhone oder dem Tablet etwas nachschauen oder den Freunden zeigen möchte. Kurzerhand ließ man eben im Eifer des Gefechts eines der beiden Geräte fallen, aber meine Güte, man kann es sich ja neu kaufen – was soll der Geiz?

Ein anderes „Problem“ der damaligen Zeit, nebst der Tatsache, dass noch nicht jeder an jedem Ort und vollkommen altersunabhängig vollen Zugriff auf das World Wide Web hatte, war wohl auch die Zahlungsmöglichkeit. Die Kreditkarte war fest in Papas Hand, ebenso die Bankkarte und so etwas wie PayPal oder Paysafe-Karten waren noch Zukunftsmusik. Hätte es also damals schon Let’s Play gegeben – mal abgesehen davon, dass sowohl Twitch wie auch YouTube im Vergleich zum Alter des PCs selbst wohl auch eher Kinder sind – hätten ihre Macher gar nicht die Unterstützung bekommen, wie sie heute möglich ist und der Boom hätte wohl gar nicht erst stattgefunden. Ich möchte nun nicht sagen, dass ausnahmslos alle Twitch-Abonnenten Kinder oder Jugendliche sind, aber es kann wohl keiner abstreiten, dass sie nicht auch einen sehr großes Stück vom Kuchen ausmachen, oder?

Doch nur wieder ein Hype, der bald verschwindet?

Ob man bei Let’s Play-Videos oder Live-Streaming nun von einem Hype redet? Ich denke nicht! Schließlich sind wir schon längst aus der Zeit raus, in der Gaming noch maßgeblich von Kindern und Jugendlichen des männlichen Geschlechts getragen wurde. Inzwischen spielen sie doch alle. Männlein wie Weiblein, jung wie alt. Wen das Gaming-Fieber gepackt hat, der ist wohl für sein Leben lang infiziert und wird es auch nicht mehr ablegen. Von daher wird es wohl so lange es Games und Gamer gibt auch diejenigen geben, die dieses schmackhafte Gericht von virtueller Kunst zubereiten, der Gamerschaft servieren und es mit ihrer Persönlichkeit stimmlich oder auch mit einer Kamera abschmecken. Darüber hinaus gesagt, was entwickelt sich in der heutigen Zeit schon nicht zu einem Hype, wenn es Anklang bei den Leuten findet? Dies führt ja auch unweigerlich dazu, dass sich damit auf vielerlei Art und Weisen Geld machen lässt oder – für die heutige Zeit und zur Thematik wohl passender – Klicks oder Abonnenten generieren lassen (auch wenn diese über kurz oder lang natürlich auch wieder zum Geld führen). Schließlich ist es aber auch ein Geschäftsmodell, das von der Masse lebt, wenn man wirklich im großen Stile etwas verdienen möchte. Man verdient am einzelnen Zuschauer, Abonnenten oder Klick nur einen eher geringen Betrag. Einerseits tragen dadurch natürlich nicht wenige Leute eine hohe Last, sondern viele Leute eine kleine. Im Falle von Twitch wäre das gerade mal ein Döner oder eine Schachtel Kippen weniger im Monat. Bei YouTube kostet uns das Ganze sogar nur ein paar Klicks. In beiden Fällen natürlich aber auch Zeit. Zeit, die wir darauf verwenden, uns die ganze Sache anzusehen. Aber mal ganz ehrlich, so ein Video oder Stream ist meist doch wesentlich lohnender als irgendwelchen Z-Promis zuzusehen, wie sie in irgendeinem Dschungel abgammeln, sich von Gewürm ernähren und weitere „ganz lustige und unterhaltsame“ Aufgaben erfüllen müssen, oder?

Wie sich das Ganze allerdings auch entwickeln kann, wenn noch Satire hinzukommt, könnt ihr hier nachlesen.

Kolumne Lets Play YouTube Logo
Kolumne Lets Play Twitch Logo

Let’s Play – moderne Kunst, die ewig bleibt?

Kann man bei Let’s Play-Videos oder Live-Streaming nun von Kunst reden? Ich würde an dieser Stelle eindeutig sagen: ja! Natürlich wird der Kunst-Stempel heutzutage auch so ziemlich allem aufgedrückt, aber man kann die Dinge ja auch etwas differenzierter sehen. Ob es ein ehrbarer Job ist und eine Arbeit, die man honorieren kann? Wenn es keine blutsaugerischen Machenschaften sind, natürlich! Die Leute vor der Kamera investieren auch jede Menge Zeit, Geld, Arbeit, Fleiß, Schweiß und Blut in das, was sie da machen. Schließlich ist es nicht damit getan, dass man den Computer oder die Konsole anwirft und drauflos spielt. Das richtige Equipment muss besorgt werden, um das audio-visuelle Zusammenspiel auf ein gehobenes Niveau zu bringen. Das Endprodukt muss zu begeistern und zu fesseln wissen. Nachbearbeitung, Videoschnitt, Grafik-Design für irgendwelche Einblendungen oder die Gestaltung des Channels, damit dieser nicht nur von „Word-Texten“ geziert wird, die Erstellung eines Sendeplans, die Gedanken darüber, was man zeigen möchte und vielleicht nicht schon von etlichen anderen gezeigt wurde.

Natürlich könnte man über das Thema noch viel mehr schreiben, aber das ist Teil einer anderen Geschichte (Kolumne) und soll ein andermal erzählt werden. Dies ist nur mal ein kleiner Abriss der Gedanken, die sich so unter dem Zylinder, der Teemo-Mütze oder sonstigen Kopfbedeckungen von mir verbergen. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, genießt weiter eure Shows und lasst euch nicht ärgern. Wenn es euch etwas bringt oder gibt, dann ist es auch das Geld wert. Just my 2 cents!

In diesem Sinne: Let’s play!

Euer MisterGentleman

Kolumne: Früher war alles besser – Teil 4 – „Battlefield“ der Jugend

Battlefield 2

Vielleicht nicht gerade aller Anfang, aber doch auch ein Meilenstein in der persönlichen Geschichte des Gamings: Battlefield 2!

Nachdem die werten Kollegen bereits schon etwas tiefer in die Kiste der „Oldies but Goldies“ gegriffen haben, schrammen wir nun eher an der Grenze des 10. Jubliäums vorbei. Natürlich ist damit kein geringerer Titel gemeint als der dritte Ableger der Battlefield-Reihe „Battlefield 2“gemeint.

Der perfekte „Feierabend“ eines Jugendlichen

Was gab es damals für einen Gamer schon großartig Schöneres als aus der Schule zu kommen und nach Mittagessen und den Hausaufgaben sich an den heimischen PC zu setzen, nur um sich Momente später mit den Freunden im Teamspeak direkt im Kampfgetümmel zu befinden. Manch einer mag wohl nun sowas sagen wie „Hey, wo ist Battlefield Vietnam?“ oder „Junge, Battlefield 1942 war viel besser, Alter!“. Einerseits muss ich ganz ehrlich gestehen, nein! Andererseits muss ich allerdings auch dazu sagen, dass Battlefield 2 im eigentlichen Sinne mein erster Kontakt mit der Battlefield-Reihe war. Zwar habe ich mir natürlich im Nachhinein noch die älteren Teile ebenfalls angesehen, wie sich das so für einen Gamer gehört. Ich muss allerdings gestehen, dass sie weder von der Atmosphäre, noch vom Gameplay mit Battlefield 2 mithalten konnten, möge der Rage n Flame beginnen! Die Vorgänger hatten allerdings natürlich auch einiges Gutes, denn einerseits ohne Vorgänger kein Battlefield 2 in seiner Qualität, andererseits auch ohne Vorgänger keine „Wake Island“ Map für BF2.

Nach Jahren des guten alten „Counter-Strike“ als Half-Life Mod (ohne Source, Global Offensive oder sonstigen Beiwerken) und dem Mod-Pendant bei Unreal Tournament „Tactical Ops“ war es einmal mehr Zeit für frischen Wind und etwas Neues. Was würde sich da Besseres anbieten, als einen Shooter zu probieren, bei dem es gleichsam Boden- wie Luftfahrzeuge gab?

Vom Bodenvolk über den Panzergeneral hin zum Herr der Lüfte

Pistolenkämpfe, das Spielchen „Wer hat das größere Gewehr?“, Sniper-Duelle und Messer-Keilereien kennt man so ziemlich aus jedem Shooter. So auch aus Counter-Strike und Tactical-Ops, es musste etwas Neues her. Zwar brachte Battlefield 2 mit dem größeren Arsenal den dem unterschiedlichen Klassen-System zunächst etwas Abwechslung in die ganze Sache, vor allem wenn man mit dem Defibrillator seinen Gegnern auflauerte (Vorsicht, nicht zu Hause nachmachen!), doch das Spiel bot schließlich noch so viel mehr.

So kletterte man erst in die SUVs mit Maschinengewehren, um sich an das Gefühl von Fahrzeugen zu gewönnen – zumal einem ohnehin meist irgendwer anders die Panzer vor der Nase wegschnappte. Doch man hatte auch schon mit den Kleinfahrzeugen einen riesen Spaß. Ergatterte man jedoch schließlich doch einen Panzer, multiplizierte sich der Spaß meist um ein Vielfaches, wenn es auch gleich ob der Abwehrmöglichkeiten durch Raketenwerfer und Panzerabwehr-Minen gleichsam auch anspruchsvoller wurde. So mauserte man sich langsam und Schritt für Schritt vom einfachen Fußsoldat zum Panzergeneral, bezwang andere Fahrzeuge mehr und mehr spielend, fuhr trotzdem noch fluchend über die ein oder andere Mine und holte schließlich sogar Hubschrauber und manchmal auch einen Jet aus der Luft. Das war dann spätestens der Zeitpunkt, bei dem die Ingame Musik Songs wie beispielsweise „P.O.D. – Boom“ weichen musste und man sich mit jedem „Boom!“ einmal mehr selbst mit seinem letzten Treffer feierte.

Battlefield 2
Battlefield 2

Das Spiel nun schon ausgelutscht? Weit gefehlt! Ab in den Heli, oder besser noch den Doppelsitz-Jet (vor allem mit so einem guten Spieler wie dem damaligen Piloten aus meinem Freundeskreis – mit mir als Gunner versteht sich) und aus „P.O.D. – Boom“ wurden kurzerhand „Shaggy – Oh Carolina“ oder „Mungo Jerry – In The Summertime“. Tja ja, die guten alten Jugendsünden…. wobei ich da Mungo Jerry natürlich nicht dazu zähle!

So schwebte oder zischte man dann gemütlich über das Schlachtfeld, hielt dem Team den Rücken frei oder spielte mit den Kill-Anzeigen Alleinunterhalter. Apropos Teamplay, ganz allgemein wurde das zu dieser Zeit noch viel größer geschrieben und so Dinge wie „rekt“, „trolled“ oder „reported“ hat man im Chat eigentlich nie gelesen.

Grafik ist zwar schön und gut, aber längst nicht alles

Neben dem Teamplay sind wir natürlich auch gleich bei einem anderen Thema, welches immer hitzig diskutiert wird: die Grafik. Ich persönliche finde ja, dass Grafik längst nicht alles ist. Gameplay, Teamplay, Sound, Atmosphäre, Steuerung und das Ineinandergreifen dieser Dinge zu einer wahren Komposition eines großen Ganzen. Das zählt doch viel mehr als Effekthascherei oder Grafik-Bomben, denen dann meist bei den anderen Punkten die Luft ausgeht oder dann für Tonnenweise Glitches sorgen. Wer kennt sie nicht von den Soldaten mit Giraffenhälsen, Bäume die am Stück durch die scheinbar geisterhafte Wand eines Hauses fallen und ihre Blätterpracht im Inneren entfalten, Helme und Waffen welche durch Wände schauen und auch noch einem Sniper in über einem Kilometer Entfernung die eigene genaue Position verraten.

Battlefied Glitch

Yin und Yang des Gamings

Natürlich gibt es immer zwei Seiten einer Medaille. Ich will beim besten Willen nicht sagen, dass heutige Spiele grundsätzlich schlecht sind oder jegliches Spiel von früher grundsätzlich besser ist. Man findet unzählige Beispiele dafür und dagegen, wenn man allein nur mal daran denkt, wie unglaublich viele Games es (zum Glück) inzwischen schon gibt. Im Endeffekt geht es doch, einmal mehr, um die Balance und vor allem um die Community, wie wir auch schon in unserer Kolumne zum Konsolenkrieg angeschnitten haben.

Darüber hinaus geht es hier lediglich um einen ganz persönlichen Meilenstein in der Geschichte des Gamings. Dabei wurde auch beispielsweise mit dem „neueren“ Spiel Battlefield: Bad Company 2 ein Weiterer gelegt. Doch das ist eine andere Gesichte und soll (vielleicht) ein andermal erzählt werden.

In diesem Sinne, make frags not war!

#LovePeaceAndGaming